Amtlicher Führer 1935

Vorbemerkung:

Die Gesellschaft Berliner Schloss e.V. möchte nicht nur dem Besucher der Internetseiten die Möglichkeit geben sich über das ambitiöse Projekt zu informieren, sondern ihm auch das Berliner Stadtschloss in seiner architektonischen Schönheit vermitteln. Es ist uns gelungen einen historischen Führer durch das Berliner Schloss zu digitalisieren und Ihnen damit auch die Schönheit der Innenräume zu zeigen. Vielleicht haben Sie Muse sich diesen historischen Führer auch durchzulesen.

 

SCHLOSS BERLIN

VERWALTUNG DER
STAATLICHEN SCHLÖSSER UND GÄRTEN

DIE HISTORISCHEN WOHNRÄUME
IM BERLINER SCHLOSS BERLIN 1935

 

EINLEITUNG

Das Schloß Berlin, die ehemalige Residenz der Hohenzollern, erhielt die wesentlichen Züge seiner äußeren Erscheinung um die Wende des 17. zum 18. Jahrhundert. Damals ließ Kurfürst Friedrich III. (1688-1713) das überalterte Renaissanceschloss seiner Ahnen umgestalten und erweitern; es sollte zum Glanz der königlichen Würde beitragen, die sich Friedrich 1701 erringen konnte.

In der Tat muss das mächtige, auch im Gefüge der modernen Großstadt imposante Bauwerk einst neben den viel bescheideneren Bürgerhäusern der alten Doppelstadt Berlin-Kölln besonders großartig gewirkt haben: ein Symbol absoluter Herrschergewalt.

Baumeister war der große Norddeutsche Andreas Schlüter (1664-1714); nach seiner Entlassung im Jahre 1706 folgte ihm der aus Schweden stammende Johann Friedrich von Eosander (um 1670-1729), schließlich führte nach dem Tode des ersten Königs Martin Heinrich Böhme (1725) den Bau unter Friedrich Wilhelm I. zu Ende.

Portal 5
Portal 5

Das Schloss liegt auf einer Spreeinsel, mit seinen Nebenanlagen nahm es ehedem ihren nördlichen Teil vollständig in Anspruch. Hier befand sich vor allem der ausgedehnte Lustgarten, der heute zum Teil bebaut nur noch in Namen an die alte Bestimmung erinnert. Die ihm zugewandte Nordfront des Schlosses sollte durch leichtere Gliederung und den Schmuck ihrer Portale heiterer und bewegter wirken als die feierlich ernste Südseite gegen den Schlossplatz. Die gewaltigen Säulenportale, die hier wie selbständige Bauteile der Front vor sind, kennzeichnen diese als eigentliche Schauseite und verleihen ihr überzeugende Würde. Die Gestaltung der Außenseiten wurde durch die Lage zur Stadt bestimmt.

Auf den Schlossplatz mündete die "Große (jetzt Breite) Straße" der Stadt Kölln, die den südlichen Teil der Spreeinsel einnahm; hierher führte aus dem eigentlichen Berlin, das jenseits der Spree auf dem östlichen Ufer lag, die Lange Brücke mit dem Denkmal des Großen Kurfürsten; hier stand auch gegen Westen die erst 1747 abgebrochene Domstiftskirche, die Hof- und Begräbniskirche der Hohenzollern. Diese Stellung an der alten Grenze der beiden Städte, vor der Brücke, lässt noch den ursprünglichen Sinn des Schlosses erkennen: es war eine Zwingburg, die über die Bürger herrschen wollte und darum außerhalb ihrer Mauern lag, sicher vor Einschließung. Aber wie hatten sich die Zeiten geändert seit den Tagen, als Friedrich II. (1440-1470) gegen Mitte des 15. Jahrhunderts hier die erste Burg errichtete!

Portal 1
Portal 1

Der Fürst war aus dem widerwillig geduldeten Beschirmer der unumschränkt gebietende Landesherr geworden, der alle Kräfte an sich zog und durch den alles lebte. Das Schloss wurde Mittelpunkt des Gemeinwesens. Künstlerisch kam das in dem prachtvoll ausgewogenen Entwurf (ausgestellt in Raum 23) eines wohl Schlüter nahe stehenden Architekten zum Ausdruck: vor der Südseite des neuen Schlosses sollte auch ein monumentales Forum entstehen, das von der Brücke aus gesehen doppelt so breit, wenn auch nicht ganz so tief wie der heutige Platz geworden wäre; wie so mancher spätere blieb auch dieser erste Plan weiträumiger Gestaltung des Stadtbildes unausgeführt.

Die Portalbauten, die der Schlossplatzfront die bestimmenden Charakterzüge verleihen, sind nicht symmetrisch zueinander in der langen Front angeordnet. Rechts vom östlichen Portal (1) zählen wir fünf, links vom westlichen (11) aber vierzehn Fenster in jedem Stock. An der ähnlich aufgeteilten Gartenseite tritt der ungleichmäßige Rhythmus der Gliederung weniger in Erscheinung, weil dort die sieben westlichen Fensterachsen in einem zwar nur flachen, aber doch deutlich sondernden Vorsprung der Fassade liegen, wie er wohl auch für die Südseite beabsichtigt war. Maßgebend für die Anordnung des westlichen Portals (11) der Schlossplatzseite war die Rücksicht auf die Breite Straße, in deren Verlängerung es sich erhebt; nicht zu vergessen bleibt, dass der westliche Teil der Fassade einst durch den alten Dombau verdeckt wurde.

Die Hauptschuld an der fehlenden Symmetrie, die geschulten Augen des 18. Jahrhunderts noch störender auffiel als uns heute, trägt die Erweiterung des ursprüng1ichen Entwurfs. Schlüter sollte sich im wesentlichen an die Abmessungen des alten Renaissanceschlosses halten. die dem Platz zugewandte Front hätte nur ein Portal zwischen je fünf Fensterachsen und halbrunden Erkern an den Ecken erhalten, es wäre im ganzen gesehen ein streng symmetrisch gegliederter Baublock von mäßigem Umfang geworden, der einen rechteckigen Hof umschloss. Die erhebliche, fast möchte man sagen, übermäßige Erweiterung nach Westen, die alle Maße und Verhältnisse verschoben und zu der Verdoppelung der Portale geführt hat, ist erst seit 1708 unter Eosanders Bauleitung ins Werk gesetzt. Sie verlangte nach einem kräftigen Akzent. Eosander schuf daher an der neuen Westfront ein riesiges Portal in der pomphaften Form eines römischen Triumphbogens.

Neben dem baumeisterlichen Genie Schlüters verliert Eosanders mehr dekoratives Talent stark an Gewicht. Welch Abstand zwischen dem Schlüterschen Portal am Schlossplatz und dem Eosanders an der Westseite! Dieser übersteigerte den Severusbogen in Rom, jener schuf ohne Vorbild. Dort ist alles gebaut, einfach und gewaltig, in klar geformten Körpern, hier haben die Formen keine tektonische Notwendigkeit, die Proportionen sind gewiss richtiger im Sinne der klassischen Formel als bei Schlüter, aber ohne dessen hinreißende Kraft.

Unklassisch dagegen war der Gedanke des Turmbaus, der über dem westlichen Portal emporsteigen sollte, aber nicht ausgeführt wurde. Dass ein solcher bereits von Eosander geplant war, ist sicher; die gewaltigen Abmessungen und ein großes Modell (Raum 23), dessen Turmaufsatz leider verloren gegangen ist, weisen darauf hin. Wahrscheinlich wiederholen auch die aus dem Jahre 1728 stammenden Entwürfe nur Baugedanken Eosanders: danach hätte der Turm mit seiner Spitze eine Höhe von 100 m erreichen sollen. Der von Eosander in Charlottenburg ausgeführte Schlossturm erhebt sich nur etwa halb so hoch. Die Idee ist durchaus nordisch und sowohl in Italien wie in Frankreich ganz undenkbar. Der Turm war dazu bestimmt, der Wasserversorgung des Schlosses zu dienen und ein aus Holland erworbenes Glockenspiel aufzunehmen; er sollte also die Rolle der älteren .,Wasserkunst" übernehmen, die auch die Münze beherbergt hatte, und daher "Münzturm" hieß. Dieser Münzturm hatte sich an der jetzigen Nordwestecke des Schlosses erhoben; sein drohender Einsturz infolge mangelhafter Fundierung war während der Erhöhungsarbeiten im Jahre 1706 Anlaß zu seiner gänzlichen Abtragung und zur Entlassung Schlüters geworden.

An Stelle des über dem Portal geplanten Turmbaus Eosanders entstand unter Friedrich Wilhelm IV. in den Jahren 1845-1853 der heutige Kuppelbau mit der Kapelle nach Entwürfen Karl Friedrich Schinkels und Friedrich August Stülers.

Eosander scheint seine Westfront zur eigentlichen Stirnseite der Schlosses bestimmt zu haben, zu Schlüters Zeit musste noch die in mehreren zeitgenössischen Stichen wiedergegebene Schlossplatzseite als die wichtigere gelten, obwohl die Einfahrt auch nach seinen Plänen entsprechend der Anlage des Renaissanceschlosses im Westflügel liegen sollte. Die Verschiebung des Schwergewichts wurde anscheinend im Gefolge der großen Stadterweiterung auf dem westlichen Ufer der Spree vorgenommen. Die Bebauung des Friedrich Werders, sowie die Anlage der Dorotheenstadt und der "Linden", die beide noch unter dem Großen Kurfürsten erfolgten, haben das Gesicht des Schlossbaus nicht herumzudrehen vermocht, handelte es sich doch nur um "Vorstädte". Erst die fortschreitende Bebauung der neuen Friedrichstadt wurde von den Zeitgenossen als die große entscheidende Wendung in der städtebaulichen Physiognomie empfunden. Sie gab dem Schloss die neue Richtung, den Zug nach dem Westen. Damit war die Entwicklung aus der Zwingburg am Rande der Stadt zum monumentalen Zentrum der Landeshauptstadt endgültig zum Abschluss gekommen.

Nachdem im Westen das Prachtportal errichtet war, verzichtete man auf der entgegen gesetzten Ostseite, der alten Berliner Wasserfront, auf eine einheitliche Neugestaltung. Noch Schlüter hatte sie ausbauen und mit einem beliebten Belvedere krönen wollen. Das unterblieb jetzt. Unvermittelt steht hier Neuestes der Schlüterzeit neben den ältesten Anfängen des Schlossbaus. Die Spreeansicht ist für einen anschaulichen Begriff der älteren Baugeschichte von unschätzbarem Wert und malerisch von hohem Reiz, aber seit Eosander wurde sie als bedeutungslose Rückseite behandelt, die einheitlicher Gestaltung nicht mehr würdig galt.

Schlüter war Ende 1706 aus der Bauleitung geschieden, noch bevor der König die große Erweiterung des Schlossbaus befohlen hatte. Abgesehen von dem mächtigen Portalbau der Westseite haben Eosander und später auch Böhme den Schlüterschen Aufriss an den Außenseiten bis auf wenig in die Augen fallende Abweichungen wiederholt. Das war an den Hoffassaden natürlich nicht möglich Der Vergleich zwischen den beiden großen Haupthöfen zeigt denn auch wieder, was die Portalbauten bereits erkennen ließen: eine ziemlich erfindungsarme Gliederung bei Eosander, bei Schlüter dagegen eine machtvoll gestaltende Kraft im Aufbau. die alle vergleichbaren Leistungen im damaligen Deutschland weit überragt. Es ist ein Glück, dass Eosander den älteren Renaissancebau zwischen den beiden Hafen, den er abreißen und durch eine Kolonnade ersetzen wollte, nicht mehr beseitigen konnte; wahrscheinlich hätte, sonst der schönste deutsche Barockhof, Schlüters nie übertroffenes Meisterwerk, seine geschlossene Wirkung eingebüßt. Auf diese kommt es an. Schlüter selbst hatte die Absicht, den kaum gegliederten Bau des Rochus Graf zu Linar (1525 bis nach 1593) nebst dem anschließenden Alabastersaal des Großen Kurfürsten durch einen Flügel zu ersetzen, der in allen wesentlichen Zügen den übrigen Teilen seines Neubaus entsprechen sollte. Man muss sich also, will man Schlüter ganz verstehen, Aufbau und Gliederung der östlichen Hofseite mit dem großen Portal wenigstens in den entscheidenden Formen auf der Westseite wiederholt denken.

Schlüterhof
Der Schlüterhof

Der Schlüterhof verdankt seinen monumentalen Charakter vor allem der klaren Bestimmtheit seiner Hauptachsen, die durch die großen, die Mitte einnehmenden Portalbauten bezeichnet sind. Auf sie ist alles bezogen, sie geben die Richtungen an und ihre klar vortretenden Baukörper sind das tektonische Gerüst des Wandgefüges. Man hätte die Akzente auch anders verteilen können. So konnten zum Beispiel die vier Ecken des rechteckigen Grundrisses betont werden, wie im Entwurf Lorenzo Berninis für das Pariser Königsschloss, aber das wäre nicht barock im Sinne Schlüters gewesen , ganz abgesehen davon, dass in diesem Falle bereits vorhandene Treppentürme des älteren Renaissancebaus wieder benutzt werden sollten. Die Betonung der Mitten ermöglichte die Behandlung der Ecken als zurückspringende Winkel. Dieser große Kontrast entscheidet über die Wirkung des Hofes. Sie gewinnt an Reichtum, da die Gliederungen der Fassaden in drei verschiedenen Ebenen liegen. In genialer Weise sind die Grundzüge der Anlage aus der gestellten Aufgabe und ihren Bedingungen entwickelt. Widerspruchsvolle Teile des alten Baus, dessen Kern erhalten werden sollte, wurden zu neuer Einheit verbunden.

Gegensätzliche Gliederung ist das Hauptmittel, dessen Schlüter sich bediente. Neben den gewaltigen Säulen der Portale stehen in den einspringenden Winkeln zwei nur je halb so hohe Ordnungen übereinander, deren Gesimse in schlichter Horizontale verlaufen, während die machtvoll auslaufenden Verkröpfungen über den Säulen der Portale ein reiches Spiel von Licht und Schatten erzeugen. Schlüter hat diesen Gegensatz bewusst gesucht, denn er ließ die nach einem älteren Entwurf schon ausgeführten, überall gleich hohen Säulen an den Ecken wieder abreißen und durch die niedrigeren Doppelreihen ersetzen. Am Oberbau der Portale treten flache Wandpfeiler an die Stelle der plastisch vordrängenden Säulen des Untergeschosses, freistehende Figuren vermitteln zwar, machen aber das Vor und Zurück noch augenscheinlicher. Kleine Fenster haben neben großen Öffnungen Platz gefunden, die deshalb nur um so größer erscheinen. So steigert eines das andere, man fühlt gegensätzlich arbeitende Kräfte, die durch ihre Bewegung den Hofraum in einem eigentümlichen spannungserfüllten Gleichgewicht halten. Er scheint wie von den gewaltigen Fugen eines tektonischen Konzerts erfüllt. Für Schlüter besonders bezeichnend ist das Verhältnis der vertikalen zu den horizontalen Baugliedern: die senkrechten Ordnungen bestimmen den Aufbau, sie treten plastisch nach vorn und ihre körperliche Wucht wirkt dynamisch; die wagerechten dagegen liegen außer den großen abschließenden Gesimsen mehr zurück und wirken wie zwischengespannt; beim Hauptportal wird das sehr deutlich, bei dem als Träger der Fenster- und Türstürze noch schlanke niedrige Säulen in einer zweiten eingetieften Zone neben die große Ordnung gestellt sind. Diese Art der Betonung des tektonischen Gerüsts und der dynamische Charakter sind entschieden deutsche Züge im Wesen der Schlüterschen Kunst - in allem Romanischen bleiben Wände und Flächen wesentlich stärker betont. Daneben erweist sich der plasti­sche Drang des Bildhauerarchitekten als der wichtigste Quell seines Schaffens. Um das voll zu verstehen, werfe man einen Blick auf die klassizistische Kuppel Stülers über dem Eosanderportal; der achteckige Tambour ist sehr fein durch­ gearbeitet, aber man kann hier nur von Flächen und Linien, von Rahmen und Nischen als Gliederungsformen sprechen, nicht von Körpern, die plastisches Eigenleben erfüllt.

Wer an den großen Portalen das Wesen Schlüterscher Gestaltung erfasst hat, wird auch an den Teilungen der A u ß e n f r o n t e n die gleichen Eigentümlichkeiten gewahr werden, obgleich hier Schlüter vielleicht nur ältere Entwürfe italienischer Herkunft überarbeitet haben mag: die Stellung der Fenster, ihre senkrechte Ordnung und die schlank aufgerichteten Blendnischen zwischen ihnen sind, verbunden mit der schwachen Betonung der Horizontalen, recht bezeichnende Merkmale seiner Baugesinnung. Den Bildhauer Schlüter zeigt das nahe gelegene Denkmal des Großen Kurfürsten, ferner der Schmuck des großen Treppenhauses und die großartige Ausstattung einiger Staatszimmer im heutigen "Schlossmuseum", aber auch am Außenbau dürfen die beiden Figuren der Gerechtigkeit und Stärke über den seitlichen Fenstern des Lustgartenportals (V) nicht übersehen werden, die seine eigene Hand zeigen; die mächtigen Tragefiguren des Balkons und die sehr reiche Stuckdekoration an der Decke im Durchgang des gleichen Portals gehen sicher auf Entwürfe des Meisters zurück.

Dem Bau Schlüters lag ein klares P r o g r a m m zugrunde. Wohnung, Staatszimmer und Amtsräume sollten gemeinsam im Schloss Platz finden, denn der Herrscher wollte die wich­tigsten Behörden für die Verwaltung des Landes, die etwa den heutigen Ministerien entsprachen, ferner die verschie­denen Kassen, Kronschatz, Archiv und Bibliothek in seiner unmittelbaren Nähe jederzeit erreichbar untergebracht wissen; zum Glanze des Hofes mussten selbstverständlich auch Kunstkammer und Münzkabinett beitragen, zunächst nur kostspielige Liebhabereien, die aber später den Grund­stock der Museen bildeten. Also eine Welt für sich, ein Mikrokosmos, aber politisch und kulturell das wahre Herz der Stadt und des Landes, ohne das keine Ader Blut erhielt.

Die Wohnräume der königlichen Familie spielten nicht die ausschlaggebende Rolle, auch die spätere Erweiterung um den äußeren Schlosshof wurde hauptsächlich beschlossen, um die Reihe der S t a a t s z i m m e r an der Gartenfront in gerader Linie zu verlängern und um neuen Raum für die Unterbringung der Behörden zu schaffen. Die Wohnung Friedrichs 1. verblieb sogar in dem älteren Bauteil an der Nordostecke des Schlosses, wo sie im zweiten Stockwerk lag. Dieser Umstand war sicherlich entscheidend für die Anordnung der Staatszimmer in gleicher Flucht. Demgemäß führt der Hauptzugang, nämlich das große Portal an der östlichen Hofseite, mit dem dahinter liegenden Treppenhaus so gleich in das zweite Stockwerk, während der erste Stock von hier aus nur über Nebentüren durch die Galerien des Hofes zu erreichen ist. Im zweiten Stockwerk nimmt die ganze Breite des Portals der "Schweizer Saal" ein, in dem die glänzend uniformierte Schweizer Garde Wache hielt. Von hier ging es links zu den Staatszimmern und zu den Gemächern des Königs, rechts zur Wohnung der Königin, der sich an der Schlossplatzseite die des Thronfolgers anschloss.

Die Wohn- und Festräume König Friedrichs I. nahmen also das zweite Stockwerk des Schlüterbaus vollständig in Anspruch: sie sind heute vom "Schlossmuseum" aus zugänglich, leider in sinnwidriger Reihenfolge, da der Besucher die Folge der Staatszimmer vom "Weißen Saal" her durchschreiten muss, ehe er zum ehemaligen Eingang im "Schweizer Saal" gelangt.

Die Staatszimmer des ersten preußischen Königs haben ihrer ursprünglichen Bestimmung, durch einige Umbauten erweitert oder ergänzt, bis zur Abdankung des letzten Kaisers (1918) gedient. Anders die A m t s z i m m e r. die nach und nach höfischen Zwecken weichen mussten, nachdem für die Behörden eigene Verwaltungsgebäude errichtet waren; anders auch die Wo h n r ä u m e , die entsprechend der persönlichen Neigung der Herrscher und der jeweiligen Größe ihrer Familien Platz und Ausstattung wechselten. Die alte Wohnung Friedrichs I. wurde nach dem Tode des Königs (1713) nicht wieder benutzt und später zu den Staatszimmern gerechnet. Friedrich Wilhelm I. (1713 bis 1740) wohnte zunächst im ersten Stockwerk des Erweiterungsbaus am Schlossplatz, bezog dann aber im Erdgeschoß an der Nordseite eine ihm mehr zusagende Wohnung, von der er unmittelbar den zum Exerzierplatz umgewandelten Lustgarten erreichen konnte. Für Friedrich den Großen (1740-1786, geb. 1712), den Erbauer des beliebten Weinbergschlösschens Sanssouci, ist es ebenso bezeichnend, dass er die Südseite mit ihrer warmen Sonnenstrahlung bevorzugte und sich hier im ersten Stockwerk eine neue, ganz auf den persönlichen Geschmack abgestimmte Wohnung einrichten ließ. Das sind die Räume des Schlosses, zu denen dieser Führer geleiten soll. Sie haben Friedrich Wilhelm IV. (1840-1861, geb. 1795) und zuletzt Kaiser Wilhelm II. (1888-1918, geb.1859) als Heim gedient. Wenn sie heute als "H i s t o r i s c h e Wo h n r ä u m e" schlechthin bezeichnet werden, so ist das insofern berechtigt, als die übrigen künstlerisch bemerkenswerten Räume des Schlosses, die Wohnzwecken dienten, diesen Charakter im Laufe der Zeit fast ganz verloren haben.

Dem aufmerksamen Beobachter bietet die Reihe dieser von zwei stattlichen Sälen unterbrochenen Gemächer, zu denen der Weg durch das großartige Schlütersche Treppenhaus (Raum 1) und die noch erhaltene Kapelle (Raum 4) des Renaissancebaus Kurfürst Joachims II. (1535-1571) führt, einen ziemlich vollständigen Überblick über die fürstliche Wohnkultur des 18. und 19. Jahrhunderts, die gerade durch die Fülle des Gegensätzlichen von eindrucksvoller Wirkung ist.

Wer aus dem zwar sehr intimen, aber doch reichen und in jeder Beziehung fürstlichen A r b e i t s z i m m e r F r i e d r i c h s d e s G r o ß e n (Raum 6), das seine phantasievolle Dekoration Joh. Aug. Nahl (1710-1781) und Joh. Mich. Hoppenhaupt (1709 bis um 1755) verdankt, in das Wo h n z i m m e r der Königin Elisabeth (1801-1873), der Gemahlin Friedrich Wilhelms IV. (Raum 7) tritt, wird sofort empfinden, dass die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts ein bürgerliches Zeitalter geworden war, in dem auch der Lebensstil einer Königin jenen eigentümlich gefühlsmäßig bedingten Zug innerer Beschaulichkeit erhielt, der bis dahin von dem absoluten Souverän nicht zur Schau getragen wurde. Der Geist der neuen Zeit nach der französischen Revolution verlangte mit der größeren Volksnähe auch die Pflege jener Ideale, die von dem gebildeten strebsamen Bürgertum getragen wurden; Arbeiten wie die Bronzefigur des rührend aufschauenden, mit betend erhobenen Händen dastehenden Mädchens von Christian Rauch (1777-1857) und romantische Bilder mit religiösem Unterton waren jetzt der bevorzugte Schmuck eines Zimmers, dessen Möbel mehr bequem als repräsentativ zu sein hatten und in dem eine einigermaßen behagliche Sofaecke neben dem Ofen entstanden ist. Das Wohnzimmer der Königin Elisabeth bildet mit den anschließenden drei Räumen (Raum 8-10) einen Teil der Wohnung Friedrich Wilhelms IV., die Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) zwischen 1824 und 1826 für den damaligen Kronprinzen einrichtete. Bei dieser Gelegenheit wurde die ehemalige Ausstattung aus der Zeit Friedrichs des Großen beseitigt, nur sein rundes Arbeitszimmer blieb erhalten.

Man spricht heute vom "friderizianischen" Rokoko, so stark glaubt man den persönlichen Geschmack des Großen Königs für die Eigenart seiner Bauten und ihrer Zierrate verantwortlich machen zu können; bei Schinkel kann bereits mit höchstem Recht von einem "preußischen" Stil gesprochen werden, seine Formen verkörpern bestimmte Wesenszüge jener Volksschichten, die dem Preußentum das Ethos seiner Gesinnung und seine Bildungsideale gaben. Schönstes Beispiel dafür ist der große Festsaal der kronprinzlichen Wohnung, der so genannte "S t e r n e n s a a l" (Raum 10), in der reinen Klarheit der linearisch genauen Gliederung und in dem kühlen Klang der nur auf Weiß und Gold gestellten Farbgebung entsprechen seine klassizistisch strengen Formen einer überpersönlichen Geisteshaltung, die wir als typisch preußisch empfinden und die hier in edler Prägung künstlerischen Ausdruck fand.

Schinkel hat Vorgänger gehabt, die ihre der klassischen Antike entlehnten Formen schon mit eigenem Geiste so erfüllten, dass ihre Bauten heute als besonders preußisch und berlinisch gelten. In erster Linie wäre hier das Brandenburger Tor von Carl Gotthard Langhans (1732-1808) zu nennen. Ein Werk dieses Meisters ist auch der zweite große Saal (Raum 14) unserer Raumflucht, den er zusammen mit den auf ihn folgenden Zimmern (Raum 16 bis 18) um 1790, einige Jahre nach dem Tode Friedrichs des Großen, für die Königin Friederike Louise (1751 bis 1805) baute, die zweite Gemahlin Friedrich Wilhelms II. Der Vergleich mit Schinkels Sternensaal ist nahe liegend; er zeigt, dass Langhans noch stark im Geist des 18. Jahrhunderts wurzelte, die weltbürgerliche Gesinnung jener Zeit schwingt durchaus in dem weich gerundeten Oval der Säulenstellung, der festlichen Farbigkeit des Stuckmarmors und der luftigen Unbeschwertheit seines Deckengemäldes; daneben wirkt Schinkel herber, knapper und zurückhaltender im Ausdruck. Von Langhans zu Schinkel wurde das Preußentum sich seines Wesens bewusst.

Aber diese Disziplin des Geistes und der Form ging nach dem gewaltigen Zuwachs an politischer Macht in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder verloren. Die von Wilhelm II. eingerichteten Räume, also vor allem die Zimmer zwischen den beiden großen Sälen (Raum 11-13) und das Speisezimmer an der Hofseite (Raum 20) zeigen in ihrer überreichen Dekoration einen Willen zur Prachtentfaltung, der seine Mittel den Stilen der Vergangenheit entlehnte und selbst unschöpferisch blieb. Wäre die alte Einrichtung noch ungeschmälert erhalten - sie ist heute bis auf wenige Stücke im Hause Doorn in Holland -, so würde das Gefühl des Beschauers. hier am Ende einer Epoche zu stehen, sehr verstärkt werden (vgl. Abb. 8 und 9); der Kunstfreund ist beim Durchschreiten dieser Räume des letzten Kaisers enttäuscht, jeder nachdenkliche Besucher aber wird zur Deutung jener abgeschlossenen Periode unserer Geschichte wichtige Hinweise empfangen.

RUNDGANG

RAUM 1
HAUPTTREPPENHAUS
Großes Treppenhaus

HAUPTTREPPENHAUS , von Andreas Schlüter, bald nach 1700. Der Bau benutzte zwei Treppentürme des um 1540 errichteten Renaissanceschlosses Joachims II. Hoher Mittelraum, die Wände kräftig gegliedert durch Tür- und Balkonnischen, die von doppelgeschossigen Säulenordnungen gerahmt werden; zu beiden Seiten die Aufgänge, der linke als stufenlose "Reitschnecke" Abb. 1). Die nach einheitlichem Programm ausgeführte malerische und plastische Dekoration stellt den Kampf der olympischen Götter mit den Titanen dar; das Deckengemälde von Nikol. Bruno Belau (1684-1747). einem ans Magdeburg stammenden Schüler des Hofmalers Augustin Terwesten (1649-1711), die Bildwerke aus Stuck nach Entwürfen Schlüters (Abb. 3). Prächtige Türflügel, in Eiche geschnitzt. ebenfalls nach Schlüter. In den Nischen der Aufgänge M a r m o r f i g u r e n des Großen Kurfürsten und Friedrichs III., des späteren ersten Königs, Arbeiten des holländischen Bildhauers Bartholomäus Eggers (gest. gegen 1692), die ursprünglich mit 10 anderen gleichartigen Statuen den "Alabastersaal" des Großen Kurfürsten im Querbau zwischen den beiden großen Höfen und später den alten "Weißen Saal­" schmückten; sie entstanden in den Jahren 1686-1688. - Die Treppen und Wandleuchter sind Zutaten des späten 19. Jahrhunderts.

RAUM 2

Teil des oberen ARKADENGANGES, vom Schlüterschen Umbau, aber neuerdings verglast; behelfsmäßiger Zugang zu den "Historischen Wohnräumen"; die Schlütersche Haupttreppe ursprünglich ohne Beziehung zu den Räumen des ersten Geschosses. An der Rückwand Reliefbildnis eines Fürsten vom Renaissanceschloss Joachims II., Ausgrabungsfund.

RAUM 3

DURCHGANG. An der Wand alte A n s i c h t d e s R e n a i s s a n c e s c h1 o s s e s Joachims II., moderne Kopie des in Schloss Tamsel (bei Küstrin) befindlichen Gemäldes vom Ende des 17. Jahrhunderts.

Standpunkt des unbekannten Malers auf der Langen Brücke. Das giebelgeschmückte Schloss Joachims II. wurde seit 1538 unter Leitung des Kaspar Theiß nach dem Vorbild sächsischer Schlösser (Torgau u. a.) erbaut. Der lang gestreckte niedrige Arkadenvorbau war 1681 von Joh. Arnold Nering (1659-1695) hinzugefügt, er diente Kaufläden. Der hohe Turm an der Spreeseite befand sich über der Kapelle, die noch großenteils erhalten ist und die man nun betritt.

RAUM 4
Erasmuskapelle
Die Erasmuskapelle

ERASMUSKAPELLE, erbaut unter Joachim II. um 1540 von Kaspar Theiß. Der Fußboden lag ursprünglich zu ebener Erde, und der vordere, durch zwei kräftige Rundpfeiler gegliederte Teil war mit einer Empore etwa in Höhe des jetzt vorhandenen Fußbodens versehen. Die Anlage der Kapelle erinnert noch an die doppelgeschossigen Schlosskapellen des Mittelalters: die Empore war für die kurfürstliche Familie, das untere Geschoß für das weitere Gefolge und das Hofgesinde bestimmt. Sehr schöne spätgotische G e w ö 1 b e mit reichem Rippenwerk, die halbrunden Gurtbogen bereits mit früher Renaissanceornamentik, nahe verwandt den obersächsischen Anlagen der Zeit (Abb. 5). Der jetzige Fußboden wurde unter Friedrich dem Großen in den vierziger Jahren des 18. Jahrhunderts eingezogen, seitdem aber wiederholt erneuert.

1824-1826 von Karl Friedrich Schinkel für den Kronprinzen Friedrich Wilhelm (IV.) eingerichtet, der Altarraum als Arbeitszimmer, der vordere Teil als Empfangszimmer. Diese Benutzung entsprach durchaus der romantischen Anschauung Friedrich Wilhelms IV., ebenso die Ausstattung mit neugotischen Möbeln, wie sie ein Gemälde von Franz Krüger (1797-1857) mit dem Bildnis Friedrich Wilhelms IV. zeigt (in Raum 24). Durch eine schmale, jetzt vermauerte Tür in der linken Seitenwand der Apsis gelangte man zur Zeit Friedrich Wilhelms IV. in sein Schlafgemach, das im "Grünen Hut" lag. und von diesem in Vortrags und Bibliothekszimmer, die beide die Spreefront des "Hauses der Herzogin" einnahmen. 1892-1893 Einrichtung zu Gästezimmern.

Seit 1925 Wiederherstellung mit dem Ziele, den alten Ka­pellenraum als solchen wirken zu lassen, soweit das ohne Beseitigung des Fußbodens möglich ist. Die heutige Farbgebung im Sinne der Schinkelzeit.

In der Apsis Teil eines F 1 ü g e 1 a 1 t a r s aus der Stadtkirche von Cadolzburg (Mittelfranken), der 1873 von der Gemeinde dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm, dem späteren Kaiser Friedrich, geschenkt wurde.

In der Mitte des Altargemäldes Christus am Kreuz zwischen Maria und Johannes, unten die Stifter mit ihren Wappen in Betstühlen; es sind Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg (1371-1440) und seine Gemahlin Elisabeth von Bayern-Landshut (1383-1442); auf den Flügeln die Hlg. Cäcilie und der Hlg. Valerian; entstanden um 1435, verwandt den Arbeiten des "Meisters des Bamberger Altars". Neuere Übermalungen sind entfernt. Die Standflügel mit den Hlg. Urban und Kilian noch in der Stadtkirche zu Cadolzburg. Das Altargemälde steht auf einer spätmittelalterlichen Truhenwand.

An den Wänden des Altarraums eine Folge von Passionsbildern aus der Werkstatt Lukas Cranachs d. Ä. (1472-1553), des Wittenberger Hofmalers fränkischer Herkunft, der damals die Höfe und Kirchen Nord- und Mitteldeutschlands mit seinen Malwerken versorgte.

Einige unserer Bilder tragen die Daten 1537 oder 1538, sie sind also vor dem Übertritt des Kurfürsten Joachims II. zur lutherischen Lehre entstanden, der erst 1539 erfolgte. Die Bilder, wahrscheinlich für den alten Dom gemalt, verraten nichts von den religiösen Kämpfen und Erschütterungen der Zeit, sie wurzeln in spätgotischer Überlieferung. Der Künstler, der beide Parteien bediente, scheint ohne tiefere religiöse Anteilnahme.

Weitere Werke Lukas Cranachs d. Ä. und seiner Werkstatt im Vorraum: Jael tötet Sissera (bez. 1530).

Das angeblich religiöse Thema erlaubte, wie die an den Renaissancehöfen sehr beliebten Judithdarstellungen, die Wiedergabe weiblicher Reize, daher die völlige Gleichgültigkeit gegenüber dem biblischen Stoff und die sorgfältige Behandlung des Kopfes und des Kostüms. Das preziöse Schönheitsideal kommt in der etwas manierierten Linienführung und harten Farbigkeit Cranachs gut zum Ausdruck; er hat es in dieser Zeit häufig wiederholt.

Vier große T a f e 1 b i 1 d e r: David und Goliath, Urteil des Kambyses (Bestrafung des ungerechten Richters), Urteil des Paris, Bathseba im Bade vor David. - Von Lukas Cranach d. J. das eindrucksvolle B i 1 d n i s d e s E r b a u e r s der Kapelle, K u r f ü - r s t J o a c h i m s II., in reicher polnischer Tracht, gemalt um 1560. Mit großem Ernst hat der Maler die äußere Erscheinung in ihrer Würde und Pracht bis auf alle Einzelheiten treu wiederzugeben sich bemüht; es ist ein Werk, das noch durch viele Fäden mit der großen Kunst vom Anfang des Jahrhunderts verbunden ist. - An der Westwand Bildnisse der Kurfürsten Johann Georg (1525-1598), des Sohnes Joachims II., und seiner dritten Gemahlin (seit 1577) Elisabeth von Anhalt (1563-1607).

Zu Johann Georgs Zeit erbaute Rochus Graf zu Linar (1525 bis nach 1,7)93) zwischen den beiden Schloßhöfen den südlichen Teil des Quergebäudes, an den darin der Große Kurfürst den Alahastersaal anfügte, ferner wurde unter seiner Regierung der nur zum Teil erhaltene Apothekenflügel und das "Haus der Herzogin" an der Spreeseite errichtet (vgl. die Pläne).

Im Altarraum italienisches M a d o n n e n b i 1 d (2. Hälfte 14. Jahrhundert), das dem Jacopo di Cione zugeschrieben wird und schon zur Zeit Friedrich Willielms IV. in der Kapelle hing.

RAUM 5

Einst Schlafzimmer Friedrichs des Großen; seit 1826 SCHLAFZIMMER DER GEMAHLIN FRIEDRICH WILHELMS IV., Elisabeth von Bayern (1801-1873), damals der Erker hinzugefügt; verändert 1892/93, von der alten Einrichtung nichts erhalten; Kamin und Wandbespannung modern, nur die r e i c h e D e c k e mit dem Gemälde der Flora und dem Kurhut in der Stuckverzierung stammt aus der Zeit des Großen Kurfürsten.

Aus der früheren Kunstkammer Kurfürst Friedrichs Ill. großer, nach chinesischen Vorbildern schwarz und gold lackierter S c h r a n k , ein Werk des aus Lüttich stammenden Kunsthandwerkers Gerard Dagly, um 1695. - Armsessel mit dem kurfürstlichen Wappen. - Im Erker Marmorgruppe, Pluto raubt die Proserpina, von Bartholomäus Eggers, dem Meister der Kurfürstenfiguren im Haupttreppenhaus (s. oben Raum 1), um 1687. B i 1 d n i s d e s G r o ß e n K u r f ü r s t e n von Govaert Flinck (1615 bis 1660), einem der bedeutendsten Schüler Rembrandts, bez. 1652, ferner Bildnisse von Söhnen und Töchtern des Großen Kurfürsten.

Die erste Gemahlin des Großen Kurfürsten, Luise Henriette von Nassau-Oranien (1627-1667), hatte ihm 5 Söhne und 1 Tochter geschenkt, von denen allein der .,kleine und verwachsene" dritte Sohn. der spätere König Friedrich I., den Vater überlebte. Man findet hier die Bildnisse von Karl Emil (1655-1614), Friedrich (1657-1713), Ludwig (1666-1687) und seiner Gemahlin Luise Charlotte von Radziwill (1667 1695). Der zweiten Ehe mit Dorothea von Holstein (1636-1689) entsprossen 4 Prinzen, die späteren Markgrafen von Brandenburg-Schwedt und 3 Prinzessinnen; von ihnen sind hier dargestellt: Philipp Wilhelm (1669-1711), Albrecht Friedrich (1672-1731) und Christian Ludwig (1677-1734).

Auf den Leibungen des Erkers sechs Bildnisse brandenburgischer und oranischer Prinzen und Prinzessinnen von dem aus Holland stammenden Hofmaler des Großen Kurfürsten Jan de Baen (1633-1702).

RAUM 6
Schreibkabinett Friedrichs des Großen
Schreibzimmer Friedrich II

SCHREIBKABINETT FRIEDRICHS DES GROSSEN, später Schreibzimmer der Königin Elisabeth.

Friedrich residierte gewöhnlich in Potsdam: während des Winters im Stadtschloss. im Sommer in Sanssouci. Zwischen dem 16. und 20. Dezember begab sich der König zu dem Karneval nach Berlin, wo er in der Regel bis gegen Ende Januar blieb. Sein Geburtstag am 24. Januar wurde meist noch in Berlin gefeiert. Im übrigen kam er nur auf wenige Tage gelegentlich der Truppenbesichtigungen in die Hauptstadt.

Wohl proportionierter Raum, die blassgrünen Wände und die kuppelförmige Decke mit reich geschnitzten und vergoldeten Holzvertäfelungen. Um 1745 ausgeführt von Joh. Mich. Hoppenhaupt (1709 bis um 1755) nach Entwürfen des Bildhauers Joh. Aug. Nahl (1710-1781). der in Berlin geboren war, aber seine Schulung in Straßburg erhalten hatte, unzweifelhaft der vielseitigste und phantasievollste Dekorateur im Dienste des Königs (1741-1746). Der Anstrich der Wände erneuert. -Das Rheinsberger Arbeitszimmer Friedrichs in einem alten Turm des Schlosses war ein rundes Kabinett gewesen, es diente hier als Vorbild, wie etwas später noch für die Bibliothek in Sanssouci.

Von der ursprünglichen Ausstattung der große vierteilige Wandschirm mit vergoldeten Schnitzereien von Joh. Mich. Hoppenhaupt erhalten, mit freilich erneuerter Stoffbespannung. Die sonstigen Möbel friderizianisch, aber nicht ursprünglich hierher gehörig. An alter Stelle das Bildnis der gefeierten Tänzerin Barbara Campanini, genannt La Barberina (1724-1799), von Antoine Pesne 1744 gemalt (Abb. 6).

Friedrich hatte die Tänzerin 1744 in Venedig für die Berliner Oper verpflichten lassen, sie kam schließlich nur gezwungen, von Grenze zu Grenze eskortiert, erfreute sich dann der besonderen Gunst des Königs und heiratete 1749 den Sohn des Großkanzlers Cocceji.

Pesne, in Paris 1683 geboren, lebte seit 1710 in Berlin, als der bedeutendste Porträtist des Hofes; er starb hier 1757. Friedrich spricht von ihm als dem "berühmten Pesne" und lobt sein "bestechendes Kolorit, das mit sanftem Trug der Natur ihre Rechte nimmt, indem es die tote Leinwand lebendig macht",

Die Blumenstilleben über den Wandspiegeln von Augustin Dubuisson (1700-1771), dem Schwager Pesnes. - Auf den Konsoltischen einige Bände aus Friedrichs Bücherei, die im folgenden Raum stand.

Für die Königin Elisabeth erhielt das Zimmer statt des blassgrünen einen blauen Anstrich.

RAUM 7

Unter Friedrich dem Großen zunächst Schlafzimmer des Königs, später Wohnzimmer und Bibliothek, in Meergrün und Gold. Aus dieser Zeit nichts erhalten, dagegen stammt das Deckenfresko im Erker (Genien in Wolken) aus der Zeit des Schlüterschen Umbaus.

Eingerichtet 1824-1826 von Karl Friedrich Schinkel als WOHNZIMMER DER KÖNIGIN ELISABETH. Gemahlin Friedrich Wilhelms IV.

Die jetzige Ausstattung ist eine Wiederherstellung auf Grund alter Aquarelle (vgl. Raum 24) und Beschreibungen. Die meisten Möbel sind ursprünglich, die Gemälde und Bildwerke wenigstens zum Teil. Die Wand über dem Sofa neben dem Ofen hat genau ihren alten Bildschmuck, u. a. ein kulturgeschichtlich bemerkenswertes Gemälde von Schinkel mit dem Entwurf zu einer phantastischen Ruhmeshalle für den Großen Kurfürsten und Friedrich den Großen. Am wichtigsten die fünf Gemälde von Caspar David Friedrich (1774-1840), des großen Romantikers der deutschen Landschaft. Eine zeichnerisch dünne Malerei gibt das Gegenständliche mit großer Sorgfalt getreu wieder, doch verbindet sich damit eine seltsam geheimnisvolle Auffassung. Der Künstler wendet sich mehr an das seelische Gefühl als an das Entzücken des Auges, er scheint von innerer Sehnsucht nach einem jenseitig Fernen erfüllt, trotz lichter Farbigkeit schwingt Trauer oder gar tiefe Melancholie in seinen Werken. "Das Kreuz auf der Felsenspitze", "Der Mönch am Meer" und "Das Begräbnis im Eichwalde" waren auf den Akademieausstellungen in Berlin 1810 und 1812 zu sehen. Sie weckten Widerspruch und Begeisterung und wurden z. T. vom damaligen Kronprinzen, z. T. auch von König Friedrich Wilhelm III. selbst erworben.

"Der Mönch am Meer" und das "Begräbnis im Eichwalde" kaufte der Kronprinz 1810, das "Kreuz auf der Felsenspitze" Friedrich Wilhelm Ill. 1812. "Bei der Landschaft von Friedrich in Dresden, dem Felsen mit dem Kreuze", sagte der König: Das ist ein schön Bild; als ich nach Tölpitz reisete, war ich früh auf und gedachte die schöne Gegend zu sehen; aus dem Thau ragten die Hügelspitzen hervor, und machte grade diese Wirkung einer Meeresoberfläche, und meine eigentliche Absicht war vereitelt; wer es nicht gesehen hat in der Natur, denkt, es ist nicht wahr." (Schadow.)

Ferner von Friedrich der "H a f e n v o n G r e i f s w a 1 d" (Abb. 12) und die "S c h 1 o ß t e r r a s s e". Von dem Freund und Wegbereiter C. D. Friedrichs, dem Dresdener Arzt, Philosophen, Goetheverehrer und Maler Karl Gustav Carus (1789-1869) die "Verkündigung an die Hirten" (bez. 1825).

Sicher im Hinblick auf Friedrichs Kunst schrieb Carus: .Wenn der moderne Künstler, eingeklemmt zwischen die Räder einer in heftigem und sonderbarem Umschwunge begriffenen Zeit und bei der Reizbarkeit des poetischen Gemütes, seine Wunden nur um so tiefer empfinden muß, so tritt eine Nötigung in ihm hervor, diesem Schmerz in seiner Kunst eine Stimme zu geben - - - - -- daher der Ausdruck der Sehnsucht eigentlich vorherrschend ist in diesen Werken ... Leichensteine und Abendröten. eingestürzte Abteien und Mondscheine, die Nebel und Winterbilder, sowie, die Waldesdunkel mit sparsam durchbrechendem Himmelsblau. sind solche Klagelaute einer unbefriedigten Existenz."

Unter den anderen Bildern "Der Aetna mit Catania" (bez. 1778) von Philipp Hackert (1737-1807), dem durch Goethes Biographie bekannten vielgereisten Maler aus Prenzlau. von seinem Schüler Peter Ludwig Lütke (17,39-1831), der später Lehrer Karl Blechens (vgl. Raum 9) wurde, eine Ansieht von Kolberg. In der rechten Fensternische .,Grotte bei Teplitz" von Johann Erdmann Hummel (1769-1852) und einige Gemälde mit Ansichten aus München, der Heimat Elisabeths, von Josef Carl Cogels (1785-1831), Lorenz Quaglio (1793 bis 1869) und Heinrich Adam (1787-1862).

Die Bildwerke von Christian Rauch (1771 18.37), dem Meister des Luisensarkophags und des Friedrich-Denkmals: Bronzefiguren eines Knaben mit Bibel und eines betenden Mädchens beides Nachbildungen (1832) von Rauchs Francke - Denkmal in Halle, kleine, Bronzestatuette der "Jungfer Lorenzen von Tangermünde" (1833), 'Marmorbüste Friedrich Wilhelms IV. (1823), Gipsbüste der Prinzessin Charlotte. Schwester Friedrich Wilhelms IV. seit 1817 Gemahlin des Zaren Nikolaus 1. Die Gipsbüste der Königin Elisabeth (1824) von Christian Friedrich Tieck (1776--1851), dem Bruder des bekannten Dichters.

"Die Königin lebte das Leben ihres Gemahls mit. Sie ist in Manchem seine Ergänzung gewesen. Seine oft übersprudelnde Lebendigkeit und Erregbarkeit fanden in ihrer ruhigeren Anschauung ein Correctiv, sein Unmuth über Widerstand und Täuschung eine Beruhigung. Wo die Phantasie bei ihm zu überwiegen drohte, verschaffte sie der Realität ihr Recht." (A. von Reumont.)

Unter Kaiser Wilhelm II. diente der Raum zur Aufstellung von orientalischen Waffen Reiseandenken, Geschenken des Sultans usw.

RAUM 8

Unter Friedrich dem Großen Konzertzimmer in grün; ausgestattet mit großen Spiegeln und zahlreichen Gemälden, darunter den schönen Pesneschen Bildnissen von Freunden Friedrichs des Großen, die sich jetzt in Doorn befinden und unter Wilhelm II. in Raum 11 hingen.

Als großes Wohnzimmer oder TEESALON nach einer Skizze des Kronprinzen Friedrich Wilhelm (IV.) von Schinkel eingerichtet. Später mehrfach verändert. 1925/26 nach vorhandenen Ansichten in der Schinkelschen Form wiederhergestellt. Prächtige Türumrahmungen, schöner Kamin. Gemalte D e c k e (erneuert) in Form eines über den Raum ausgespannten Stoffschirms. Über der Holztäfelung mit Wandschränken eine plastisch dekorierte Wandzone, die ursprünglich ganz in Marmor ausgeführt werden sollte; die bekrönenden Statuetten (Gips) von Christian Friedrich Tieck: Elektra mit dem Aschenkrug ihres Vaters Agamemnon an der Südecke der West-(Kamin-) Wand, es folgen nach rechts Odysseus, Iphigenie, Achilles, Psyche, Amor, Hippolyte, Herkules, Omphale, Demeter, Proserpina, Theseus, Ariadne, Bacchus, Kassandra. In einer dritten Wandzone R u n d b i l d e r von den Berliner Malern Heinrich Anion Dähling (1773-1850). Carl Wilhelm Kolbe (1781-1853), Julius Schoppe (1795 bis 1868) und Hermann Stilke (1803-1860): Aphrodite (Kolbe), Perseus und Andromeda (Schoppe), Entführung der Europa (Stilke), Bacchiantin auf gefesseltem Zentaur (Schoppe), Hylas von Nymplien in ihre Quelle hinabgezogen (Schoppe), Amphitrite (Schoppe), weiblicher Zentaur mit Jüngling (Schoppe), Aktäon (Dähling), Pegasus (Dähling), Penthesilea (Kolbe).

Auf der Wandtäfelung Marmorbüsten und Reliefs, antikisierende Darstellungen des 18. und 19. Jahrhunderts, bemerkenswert eine weibliche Büste von Christian Rauch (bez. ..Gebrochen am Penthelikon 1838 C. R. Rauch fec. 1842"). Friedrich Wilhelm IV. und Elisabeth hatten hier eine Fülle von Gegenständen aufgestellt, die sie auf ihren italienischen Reisen gesammelt hatten.

Zwischen den Fenstern Marmorstatue des Eros von Emil Wolff (1802-1879), gearbeitet in Rom 1836. Große Bronzekrone und Mobiliar von Schinkel; das Hauptstück, ein der Fensterwand gegenüberstehendes großes Sofa, wurde leider schon vor dem Kriege veräußert.

"Die Abendunterhaltungen im Schlosse waren ganz einfach und ohne Ceremoniell. Die Königin saß auf dem Sofa vor dem runden Tische zur Seite ihre Schwägerin, neben dieser der König in einem Lehnstuhl, die beiden Prinzen zur Seite, die wenigen Gäste rings um den Tisch. Eine Tasse Thee, ein leichtes gewöhnlich kaltes Abendbrot, so ist es immer geblieben. Kunstblätter und Literarisches, was eben angekommen, wurde angesehen und besprochen." (A. von Reumont.)

Unter Wilhelm II. in zwei Zimmer und einen Gang unterteilt, 1916-1917 zu einem Saal für militärische Vorträge umgebaut.

RAUM 9

Unter Friedrich dem Großen Konfidenz-Tafelzimmer in blau und Silber mit versenkbarem Tisch, dessen Triebwerk im Erdgeschoß stand (eine ähnliche Einrichtung im Potsdamer Stadtschloss erhalten). Bildnisse der Prinzessin Amalie als Amazone und der Königin Ulrike von Schweden (jetzt beide Raum 17).

Für Friedrich Wilhelm IV. von Schinkel als SPEISEZIMMER eingerichtet, in dieser Form im wesentlichen erhalten. Die malerische Dekoration der Fensterleibungen wohl von August v. Klöber (1793-1864).

Mobiliar nach Schinkelschen Entwürfen, aber nicht an ursprünglicher Stelle. Kaminaufsatz spätere Zutat. Hergehörig die G e m ä l d e über dem Sofa und an der Fensterwand: von Wilhelm Schadow (1788-1862), dem Sohn des bekannten Bildhauers Johann Gottfried Schadow (1764-1850), die Allegorie der Poesie; von der Königin Wilhelmine der Niederlande (1774-1837), einer Tante Friedrich Wilhelms IV., ein merkwürdiges Bild, das Friedrich Wilhelm IV. und die Königin vor einem Gemälde der Mutter Gottes zeigt. Daß der Kronprinz sich hier in romantischer Ritterrüstung darstellen ließ, ist ein Zeugnis seiner zeitfremden sentimentalen Seelenhaltung, die mittelalterlichen Ideen zuneigte.

Das Bild ist zwischen 1819 und 1826 gemalt, das Bildnis Friedrich Wilhelms nach einer Skizze Johann Erdmann Hummels. - "Humboldt rühmte den König als einen wohl- und heildenkenden Fürsten, der nur einige mittelalterliche Vorstellungen noch loswerden müsse" (Varnhagen). - "Friedrich Wilhelm IV. war mehr eine geniale Künstlernatur als ein zum Herrschen geborener Charakter. Er lebte mehr in phantasievollen Vorstellungen als in der harten Wirklichkeit und sah die Dinge nicht unmittelbar in ihrer einfachen Realität, sondern immer nur durch ein ideologisches Medium hindurch." (Hintze.)

Das Schönste im Raum sind die sechs Gemälde von Karl Blechen (1798-1840), der als erster von allen deutschen Malern des 19. Jahrhunderts die Natur allein um ihrer selbst willen wiedergab und ein Bild rein aus unmittelbar erschauten Farbwerten aufbaute. Man sehe insbesondere die saftig leuchtenden Grüns auf den beiden Bildern vom Palmenhaus der Pfaueninsel, die tiefblaue Meeresfläche des Golfs von Spezia oder den Reichtum gelber Töne in der Felsenlandschaft bei Terni mit ihren kräftigen gegensätzlichen Farben. Und welch packende Behandlung des Lichts im Bilde der Villa d'Este (Abb. 13)! Niemand sonst hätte damals ähnliches gewagt.

Die italienischen Landschaften entstanden auf Grund von Reiseskizzen (1828-1829) erst nach der Rückkehr in Berlin, die Bilder der Pfaueninsel waren 1832 von Friedrich Wilhelm III. bestellt, der sie seiner Tochter, der Zarin Alexandra, schenken wollte.

Zwei kleine Bilder des Domturms zu Pisa von Karl Gustav Carus und einige italienische Landschaften, bemerkenswert die von Wilhelm Schirmer (1802-1866).

Unter Wilhelm II. Adjutantenzimmer, an den Wänden Gemälde mit Schlachtendarstellungen; hier stand auch der jetzt im ehemaligen Arbeitszimmer des Kaisers befindliche Schreibtisch, an dem der Kaiser 1914 die Mobilmachungsorder unterzeichnete.

RAUM 10

Unter Friedrich dem Großen "der große Cour- und Speisesaal" in weiß und Gold mit vier französischen Gobelins nach Charles Lebrun (1619-1690) geschmückt. Bildnis der Kaiserin Katharina II. von Rußland.

Vollständiger Umbau für den Kronprinzen Friedrich Wilhelm (IV.) als Festsaal, nach dem Schmuck der Decke "STERNENSAAL" genannt. Schönster, fast noch unversehrt erhaltener Raum Schinkels. Die Wände in weißem Stuckmarmor mit goldenem Dekor, Zugang über die Treppe vom Portal I durch die große, reich verzierte und vergoldete Tür. Die Gliederung dieser Eingangswand nimmt Rücksicht auf die geplante Aufstellung antiker Statuen, die dann freilich unterblieb.

Vor den Fenstern zwei größere Bildwerke von Rudolf Schadow (1786-1822), dem ältesten Sohn Johann Gottfried Schadows: Allegorien der Liebe und der Baukunst, 1818 bis 1820 in Rom geschaffen. Mobiliar nach Entwürfen Schinkels ursprünglich, ebenso die russischen Porzellanvasen auf dem Kamin (Abb. 7).

Kurz nach dem Tode Schinkels schrieb Franz Kugler 1842: "Schinkel war kein schöner Mann, aber der Geist der Schönheit, der in ihm lebte. war so mächtig und trat so lebendig nach außen, dass man diesen Widerspruch der Form erst bemerkte, wenn man seine Erscheinung mit kalter Besonnenheit zergliederte. In seinen Bewegungen war ein Adel und Gleichmaß, in seinem Munde ein Lächeln. auf seiner Stirn eine Klarheit, in seinem Auge eine Tiefe und ein Feuer, daß man sich schon durch seine bloße Erscheinung zu ihm hingezogen fühlte."

Nach dem Regierungsantritt Wilhelm II. (1888) fand man, dass Schinkels edel abgestimmter Raum, der als Vorsaal der kaiserlichen Wohnung zu dienen hatte, einen "kalten Eindruck" mache. man bespannte daher die Wände mit roter Seide. ..von der sich drei große Marinebilder von Saltzmann mit ihren durchsichtigen blauen Wasserwogen leuchtend abhoben" und stellte große silberne Schiffsmodelle auf Tischen auf. Hier wurden die Fahnen und Standarten der Berliner Garnison aufbewahrt.

RAUM 11

Zur Zeit Friedrichs des Großen Audienzzimmer in blauem Sammet mit dem Thron. Bildnisse der Königin Sophie Dorothea und der Prinzessin Amalie von Antoine Pesne.

Seit 1888 EMPFANGSZIMMER WILHELMS II. Bei der Neueinrichtung blieben das Deckengesims aus der Zeit Schlü­ters, ferner Decke Türen, Supraporten und Fensterumrahmungen vom Umbau Friedrichs des Großen erhalten, alles übrige von 1888.

Außer den 1888 hier aufgestellten friderizianischen Stühlen und der modernen Nachahmung eines französischen Schreibtisches aus der Zeit Ludwigs XV. ist das Mobiliar nicht historisch. An den Wänden sechs B i 1 d n i s s e von Persönlichkeiten aus der Umgebung Friedrichs des Großen:

1. Adam Otto v. Viereck (1684-1758) gemalt von einem unbekannten Meister, vielleicht David Matthieu (1697-1755).

Viereck war schon unter Friedrich Wilhelm I. 1727 Vizepräsident des Generaldirektoriums geworden. Seit 1763 war er auch Protektor der Sozietät der Wissenschaften, aus der 1743 die Akademie der Wissenschaften und schönen Künste hervorging. Die Sozietät rühmte ihn bei der Widmung des 4. Bandes ihrer Veröffentlichungen als "Patron und Freund der Musen" inmitten "dieses für die Wissenschaften so frostigen Jahrhunderts". Friedrich der Große verlieh ihm 1745 den Schwarzen Adlerorden. Auf dem Bildnis sind neben ihm die Pläne zur Kirche von Buch dargestellt, die er 1731-1736 nach den Plänen des Baudirektors Friedrich Wilhelm Dietrichs (1702-1784) aufführen ließ. Es ist die schönste Barock-Kirche der näheren Umgebung Berlins, in der sich auch das schwungvoll gearbeitete Grabdenkmal Vierecks von Johann Georg Glume (1679-1765) befindet. Viereck hatte neben anderen Gütern Buch 1724 erworben.

2. Isaac Francois Egmont Graf von C h a s o t (1716-1797), von einem Schüler Pesnes.

Französischer Offizier, seit 1734 in preußischen Diensten, Freund Friedrichs, vornehmlich in den Rheinsberger Jahren, später dem König entfremdet, 1752 Gouverneur in Lübeck. Das Gemälde zeigt auf dem Tisch eine Flöte; von dem Spiel Chasots sagt Friedrich freilich, daß er in Rheinsberg alle Nachbarn damit gequält habe: "einem zarten und liebenswerten Instrument entlockt er Trompetentöne".

3. Feldmarschall Johann v. L e w a 1 d (1685-1768), gemalt um 1760 von Joachim Martin Falbe (1709-1782).

Lewald war Gouverneur von Königsberg, 1758-1762 Gouverneur von Berlin, das er gegen die Russen verteidigte.

4. Prinz Ferdinand von Braunschweig-Bevern (1721-1792), gemalt um 1740 von Antoine Pesne.

Schwager Friedrichs des Großen, im Siebenjährigen Kriege Heerführer auf dem westlichen Kriegsschauplatz, Sieger in den Schlachten von Krefeld und Minden.

5. Feldmarschall Albrecht Konrad Graf F i n c k v o n F i n c k e n s t e i n (1660-1735), aus der Werkstatt Pesnes.

Erzieher Friedrichs vom 7. bis zum 18. Lebensjahr. Angesichts dieses Bildes ist das Urteil Wilhelmines, der Schwester Friedrichs, interessant: "ein sehr ehrenwerter Mann, der sowohl seiner Ehrlichkeit wie seiner kriegerischen Fähigkeiten halber allgemein geachtet wurde, dessen sonstige Talentlosigkeit ihn jedoch außerstand setzte, einen jungen Fürsten richtig zu erziehen. Er gehörte zu jenen Leuten, die sich viel auf ihren Geist einbilden, die Politiker abgeben wollen und, mit einem Wort, gewaltig räsonieren, ohne etwas zu erreichen." Auch der Baron von Pöllnitz meinte, dass "seine persönliche Kälte ihm nicht das Vertrauen eines jungen Prinzen mit lebhaftem und wissbegierigem Charakter gewinnen konnte, dessen frühreife Veranlagung einen genialen Erzieher über dem normalen Durchschnitt verlangt hätte."

6. Ludwig Philipp Freiherr von der Hagen (1724-1771), von Anna Dorothea Therbusch.

Staatsminister, Vizepräsident im 3. Departement des Generaldirektoriums, vom König sehr geschätzt, der ihn im politischen Testament von 1768 als uneigennützigen und ehrlichen Finanzbeamten rühmte und dieses 1771 gemalte Bildnis im Audienzsaal des Generaldirektoriums aufhängen ließ.

Zur Zeit Wilhelms II. waren hier einige bedeutende Bildnisse Antoine Pesnes von Freunden Friedrichs des Großen aufgehängt, die sich ursprünglich im Raum 8 befanden und jetzt im Hause Doorn sind. Die Tür in der Rückwand - darüber ein kleines Marmorrelief mit dem Bildnis Friedrichs des Großen - führt in das ehemalige Ankleidezimmer des Kaisers, neben dem Schlafzimmer und Garderobe liegen. Diese gänzlich sonnenlosen Räume, deren Fenster auf den Schlüterhof gehen, sind heute leer und werden nicht gezeigt.

RAUM 12

Zur Zeit Friedrichs des Großen Vorzimmer: die Wandtäfelungen weiß mit Gold, vergoldete Supraporten, Samttapeten.

Arbeitszimmer Wilhelm II
ARBEITSZIMMER WILHELMS II

Bei der Einrichtung als ARBEITSZIMMER WILHELMS II. (1888) blieben das große D e c k e n g e m ä 1 d e (Versammlung der olympischen Götter) aus dem Jahre 1704 von Augustin Terwesten (1649-1711) sowie die Türen, Fensternischen und Wandtäfelungen der friderizianischen Zeit erhalten; hinzukamen die Ledertapete, der Ofen und die vergoldeten Supraporten, die solchen im Schloss Charlottenburg nachgebildet sind.

Der T i s c h in der Mitte ist ein Geschenk der Kunstwerkstatt Waring und Gillow in London an Wilhelm II.; er ist mit dem Schreibzeug aus dem Holz der "Victory" hergestellt, des Nelsonschen Flaggschiffes in der Schlacht bei Trafalgar gegen die vereinte französische und spanische Flotte (21. Oktober 1805). Das berühmte vor der Schlacht gegebene Flaggensignal Nelsons ("England erwartet, dass jedermann seine Pflicht tut") und Denkmünzen auf den siegreich gefallenen Admiral sind am Schreibzeug eingelassen. An diesem Tisch, der damals im Adjutantenzimmer (Raum 9) stand, hat Wilhelm II. am 1. August 1914 die Mobilmachungsorder unterzeichnet. Die Schreibtische in den Fensternischen sind nicht die alten; Pult und Sattelbock sind besonders charakteristische Stücke, wie sie mehrfach im kaiserlichen Besitz vorhanden waren, sie gleichen in Form und Anordnung den ursprünglichen. Der erhaltene Bücherschrank ist jetzt mit Werken aus der Schlossbibliothek gefüllt, die nur ungefähr dem ehemaligen, jetzt in Doorn befindlichen Bestand entsprechen.

Von den G e m ä 1 d e n haben zwei auch früher hier gehangen: das Bildnis der Kaiserin Auguste Viktoria (1858 bis 1921) aus dem Jahre 1889 von Conrad Kiesel (1846 bis 1921) über der italienischen Bank zwischen den Fenstern und das große 1684 gemalte Bild der brandenburgischen Flotte des Großen Kurfürsten von Lieve Verschuire (um 1630-1688). Die übrigen Gemälde, vornehmlich Seestücke und Bildnisse, entsprechen sinngemäß der ehemaligen Ausstattung: Friedrich der Große von Anna Dorothea Therbusch nach Pesne; der Große Kurfürst und seine erste Gemahlin Luise Henriette von Nassau-Oranien (1627-1667) von Wilhelm van Honthorst (1594-1666); Königin Luise (1776 bis 1810) von Johann Heinrich Schröder (1757-1812). - Über dem Schreibtisch B r o n z e r e l i e f mit dem Bildnis W i l h e l m s II. von Adolf v. Hildebrand (1847-1921), an der gegenüberliegenden Wand ein Gemälde von Franz Skarbina (1849-1910); es bezieht sich auf die Kundgebung der Berliner Bevölkerung in der Nacht vom 5. zum 6. Februar 1907, bei der der Kaiser anlässlich der Reichstagsstichwahl noch kurz nach Mitternacht eine Ansprache vom Fenster des Schlosses hielt.

RAUM 13

Zwischen dem zweiten und dritten Fenster lag die westliche Abschlusswand des Renaissanceschlosses Joachim II., dessen Ecke entsprechend der Anordnung in Raum 7 mit einem runden Erker versehen war. Die jetzige Form mit drei Fenstern erhielt das Zimmer unter Friedrich Wilhelm I. durch Martin Heinrich Böhme (gest. 1725) im Zuge der großen von Eosander begonnenen Erweiterung des Schlosses nach Westen. - Adjutanten- und Marschalltafelzimmer unter Friedrich dem Großen.

VORTRAGSZIMMER WILHELMS II. Aus der Zeit Friedrich Wilhelms I. blieben die Türen mit ihren von Charles King (gest. 1756) geschnitzten Bekrönungen und Umrahmungen er­halten, ferner die gemalten Fensterleibungen mit dem Namenszug des Königs und ein großer Teil der Wandvertäfelung. Die Öffnungen über den Türen der Rückwand zu beiden Seiten des Kamins waren zur Beleuchtung des dahinter liegenden Ganges ursprünglich verglast. Ausbau und Einrichtung 1888 durch Walter Kyllmann (1837-1913) und Adolf Heyden (1838- 1902), aus dieser Zeit u. a. die Decke mit einem Gemälde (Hermes und Genien) von Max Koch (geb. 1859) und der Kamin in dessen Aufsatz eine moderne Büste Friedrichs des Großen steht.

Die beiden reich mit Bronze geschmückten Schränke aus Zedernholz an den Seitenwänden sind M ü n z s c h r ä n k e Friedrichs des Großen aus dem Antikentempel im Park von Sanssouci Arbeiten eines Tischlers Tüllmann; zwei gleiche Stücke derselben Herkunft im Schloss Sanssouci.

Bildnisse:

1. Prinz Heinrich von Preußen (1726-1802), Bruder Friedrichs des Großen, von Anton Graff (1736-1813), gemalt 1778 (Abb. 11).

Das schöne Bild ist sicher in Dresden entstanden, wo Graff, der bedeutendste Porträtist des geistigen Deutschlands, seit 1766 ansässig war und wo Prinz Heinrich während des Bayrischen Erbfolgekrieges als Oberbefehlshaber der in Sachsen aufgestellten Armee Winterquartier bezogen hatte. Heinrich legte damals verärgert sein Kommando nieder, weil der König sich von ihm nicht genügend unterstützt glaubte. Friedrich hatte ihn zwar nach Schluss des Siebenjährigen Krieges in einem Trinkspruch als "den einzigen General" gefeiert, der während des ganzen Krieges nicht einen Fehler gemacht hat" - aber Heinrich fühlte sich zurückgesetzt. Die Nachwelt erkannte seine großen militärischen Leistungen durchaus an: "Nach der unglücklichen Schlacht von Kunersdorf (1759), in jenem Augenblick, wie Friedrich selbst seine Lage als verzweifelt ansah, machte allein Heinrich durch täuschende Bewegungen zwei feindliche Heere, das österreichische und russische, untätig, hinderte sie, ihren Sieg zu benutzen, behauptete Sachsen und rettete dadurch den preußischen Staat." (v. Dohm, 1314.)

2.- 3. König Friedrich Wilhelm 1. (1688--1740) und seine Gemahlin Sophie Dorothea von Hannover (1687--1757). beide von Antoine Pesne.

Von seinem Vater sagt Friedrich der Große: "Wenn es wahr ist, daß wir den Schatten der Eiche, der uns umfängt, der Kraft der Eichel verdanken, die den Baum sprossen ließ, so wird die ganze Welt darin übereinstimmen, daß in dem arbeitsreichen Leben dieses Fürsten und in der Weisheit seines Wirkens die Urquellen des glücklichen Gedeihens zu erkennen sind, dessen sich das Königliche Haus nach seinem Tode erfreut hat." Ferner: "Um der Tugenden eines solchen Vaters willen muß man einige Nachsicht mit den Fehlern seiner Kinder haben."

Die Mutter wird von der Gräfin Voß geschildert: "Sie war nie schön gewesen, sah aber sehr stattlich und vornehm aus, und ihre Haltung blieb die gleiche bis in ihr Alter. Vielleicht hatte sie mehr erworbenen als angeborenen Geist; aber sie war sehr unterrichtet und gut erzogen, wußte mit allen Menschen zu reden und machte eine angenehme Konversation. Pracht und Geselligkeit liebte sie ungemein, sah Mittag und Abend immer Menschen bei sich und saß besonders gerne lange Zeit bei Tisch. Es war schön zu sehen, welch achtungsvolle Zärtlichkeit ihr Sohn, der König, für sie hatte." Friedrich schrieb nach der Niederlage bei Kolin, als er die Nachricht vom Tode der Königinmutter erhalten hatte, an seine Schwester Amalie: "Alles Unglück kommt auf einmal über mich! 0 meine liebe Mutter! Nie mehr werde ich den Trost haben. Dich zu sehen. 0 Gott, o Gott, welch ein schwerer Schlag für mich! Ich bin mehr tot als lebendig!"

4. Markgraf Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach (1685-1723), Kaiserlicher Generalfeldwachtmeister, von Hyacinthe Rigaud (1649-1743).

Rigaud galt als der bedeutendste Bildnismaler seiner Zeit, er wurde schließlich Unternehmer, der in Paris eine große Werkstatt unterhielt. in der auch unser Bild entstanden ist.

5.- 6. Prinz August Wilhelm, ältester Bruder Friedrichs des Großen (1722-1758), und seine Gemahlin Luise Amalie von Braunschweig-Bevern (1722-1780), beide von Antoine Pesne.

August Wilhelm hatte nach der Niederlage bei Kolin beim Rückzug durch Böhmen infolge ungeschickter Anordnungen schwere Verluste verursacht. Der König ließ ihn seine ganze Ungnade fühlen: "Du wirst immer nur ein erbärmlicher General sein. Kommandiere meinetwegen ein Serail von Hofdamen, aber solange ich lebe, werde ich Dir nicht den Befehl über zehn Mann anvertrauen. Nach meinem Tode kannst Du vielleicht Dummheiten machen, wie Du willst - die gehen auf Deine Rechnung -, aber solange ich lebe, sollst Du meinem Staate nicht mehr schaden." August Wilhelm verließ die Armee, wurde schwermütig und starb aus Gram in Oranienburg.

M a r m o r b ü s t e des Generalfeldmarschalls Alfred Graf v. Schlieffen (1833-1913) von Brutto Kruse (geh. 1855).

Schlieffen hatte die 1914 vollendete Einkreisung Deutschlands vorausgesehen und als Chef des Generalstabs der Armee in jahrelanger Arbeit einen bis ins kleinste durchdachten genialen Feldzugsplan, den so genannten "Schlieffenplan" aufgestellt.

Reliefbildnis Kaiser Friedrichs III. (1831-1888) von Benedikt König (1842-1906) aus dem Jahre 1874.

RAUM 14

Vorsaal zur Wohnung Friedrichs des Großen, in dem die Gardes du Corps Wache hielten. Zugang von Portal II über die Marmortreppe.

PFEILERSAAL. Unter Wilhelm II. als Vorsaal und für kleinere Festlichkeiten benutzt. Der Raum erhielt seine jetzige Form nach dem Tode Friedrichs des Großen durch Carl Gotthard Langhans (1732-1808), den 1788 aus Bres­lau berufenen Oberhofbaudirektor Friedrich Wilhelms II.; charakteristisch die o v a 1 e R a u m f o r m , die Langhans auch im Schloß Bellevue und im sogenannten Niederländi­schen Palais (Unter den Linden) anwandte. Wände und Säulen aus grauem und rötlichem Stuckmarmor, die Ver­goldungen erst spätere Zutaten. D e c k e n g e m ä 1 d e (Ver­sammlung der olympischen Götter) von Johann Christoph Kimpfel (1750 -1805). In den Nischen über den Türen Büsten berühmter Männer und Frauen des Altertums. Schöne K r o n 1 e u c h t e r vom Ende des 18. Jahrhunderts.

RAUM 15

DURCHGANG mit einem niedrigen schmalen Treppenhaus (Fürstentreppe) aus der Zeit Friedrich Wilhelms I; 1888 vollständig neugestaltet; die Treppe liegt hinter der verglasten Wand. - Provisorisch aufgestellt zwei weibliche Marmorfiguren von Carl Schuler (1847- 1886) aus den Jahren 1830 und 1886. Beispiele des höfischen Geschmacks der Zeit.

RAUM 16

Gehörte zuerst zur Wohnung Friedrich Wilhelms I. der später in das Erdgeschoß der Lustgartenfront übersiedelte. Zur Zeit Friedrichs des Großen begann hier die Wohnung des Thronfolgers. des späteren Königs Friedrich Wilhelms II. (1744 - 1797) und seiner zweiten Gemahlin Friederike Luise von Hessen-Darmstadt (1751 - 1805). Nach der Thronbesteigung ließ sich Friedrich Wilhelm II. die Königskammern im 1. Stockwerk des Lustgartenflügels ausbauen, während die Königin weiter in den Räumen wohnen blieb, die für sie durch Langhans neu hergerichtet wurden. Sie hießen daher nach dem Tode Friedrich Wilhelms II. die Königin-Mutter-Kammern. Seit 1888 zur Wohnung der Kaiserin Auguste Viktoria eingerichtet.

EMPFANGSZIMMER DER KAISERIN AUGUSTE VIKTORIA. Die Bekleidung der Türen, Fensterleibungen und Paneele mit grauem und rotem Bayreuther Marmor stammt noch aus der Zeit Friedrich Wilhelms I. Vom Umbau durch Langhans die Aufsätze über den Türumrahmungen aus grauem Stuckmarmor, in denen Berliner Porzellanvasen stehen. 1888 Ersatz der weiß gestrichenen Türen durch solche aus Nussbaum; Anlage einer Tür zum Speisezimmer (Raum 20) in der Rückwand. 1907 Durchbruch einer zweiten Tür zum Wohnzimmer (Raum 18); deshalb Verlegung des großenteils erneuerten Kamins, der ebenso wie die Fensterwand einen großen Spiegel erhielt-. Neubemalung der Decke, das Mittelstück in Venedig erworben; grünseidene Wandbespannung. M o b i l i a r z. T. von Jean-Baptiste Lelarge (1743- 1302), Paris um 1785, z. T. moderne Wiederholungen.

Gemälde:

Jean-Baptiste Pater (1695-1736), "B l i n d e k u h s p i e l"; das Bild - eines der besten des Künstlers stammt aus dem Besitz Friedrichs des Großen, der in seinen ersten Regierungsjahren mit großer Vorliebe Werke der berühmtesten französischen Maler seiner Zeit sammelte.

Jean Antoine Watteau (1684-1721), die E i n s c h i f f u n g z u r L i e b e s i n s e l" (Abb. 15), prachtvolles Meisterstück des genialsten unter ihnen; 1717 für die Aufnahme in die Pariser Akademie gemalt, eine frühere Fassung im Pariser Louvre; von Friedrich dem Großen bald nach 1740 aus der Sammlung des Jean de Julienne in Paris erworben; es hing zu jener Zeit, wie auch das Bild von Pater, in einem leider nicht mehr erhaltenen Raum des Potsdamer Stadtschlosses.

Jean-Baptisie Chardin (1699 -1779), die "B r i e f s i e g 1 e r i n", großes Hauptwerk des Künstlers von 1733, hing ursprünglich im Potsdamer Stadtschloß. Friedrich der Große rühmte Chardins "schlichte Naturwahrheit". Bildnis der Prinzessin Luise von Brandenburg-Schwedt (1738-1820), Gemahlin des Prinzen Ferdinand, Bruders Friedrichs des Großen, von Anna Rosina de Gasc, geb. Lisiewska (1713 bis 1783).

Bildwerke:

Bronzebüste des Prinzen Heinrich von Jean Antoine Houdon (1741-1828), modelliert bei dem Pariser Besuch des Prinzen im Jahre 1784, gegossen 1789 von Pierre Philippe Thomire (1751--1843), stammt aus dem vom Prinzen seit 1753 bewohnten Schloss Rheinsberg; dort im "Kleinen Salon" standen auch ursprünglich die, drei prachtvollen T e r r a k o t t a b ü s t e n Houdons:

1. Louis Jules Barbon Mancini-Mazarini, Duc de N i v e r na i s (1716-1798).

Französischer Diplomat, der auch als Schriftsteller hervortrat 1756 vor Ausbruch des Siebenjährigen Krieges in besonderer Mission in Berlin, beim Friedensschluss 1763 Gesandter in London, von Friedrich dem Großen sehr geschätzt.

2. Comtesse Francoise Eleonore de S a b r a n (1750-1827) (Abb. 16).

Geistreiche, mit 25 Jahren verwitwete Frau, in deren Haus Prinz Heinrich in Paris verkehrt hatte; während der französischen Revolution lebte die Gräfin am Hofe Heinrichs in Rheinsberg und heiratete 1792 ihren langjährigen Freund, den Chevalier de Boufflers; gegen Ende ihres Lebens erblindete sie.

3. Francois Claude Amour Marquis de B o u i 11 é (1739 bis 1800).

Französischer General, der sich namentlich in den amerikanischen Kolonialkriegen gegen England auszeichnete, er reiste 1784 nach Berlin und war Gast Friedrichs des Großen; 1785 suchte er auch Rheinsberg auf; sein Sohn, der Schüler der Berliner Militärakademie wurde, schrieb eine Biographie des Prinzen Heinrich, die 1809 in Paris erschien.

Nach der Neueinrichtung für die Kaiserin Auguste Viktoria befanden sich hier bereits Watteaus "Einschiffung zur Liebesinsel" und sein "Firmenschild des Gersaint", das jetzt wieder an seinem ursprünglichen Platz im Konzertzimmer Friedrichs des Großen im Charlottenburger Schloss hängt, endlich einige kleinere Gemälde von Lancret und Pater. Nach der Veränderung der Räume 16 und 17 im Jahre 1907 kamen die beiden Gemälde Watteaus in das Wohnzimmer (Raum 17).

RAUM 17

Konzertzimmer des Kronprinzen Friedrich Wilhelm II. mit roten Damasttapeten. 1791 als Gesellschaftszimmer für die Königin Friederike Luise von Langhans eingerichtet. Die Tapeten von gelbseidenem Atlas.

WOHNZIMMER DER KAISERIN AUGUSTE VIKTORIA. Das Gesims aus der Zeit Friedrich Wilhelms I. Vom Langhansschen Umbau für die Königin Friederike Luise stammen: die D e c k e n g e m ä 1 d e von Christian Bernhard Rode (1725 bis 1797), das Jahr als Göttin, umgeben von den vier Jahreszeiten, in den Rundbildern die vier Tageszeiten; ferner der prächtig eingelegte F u ß b o d e n von Johann Christian Fiedler. Zwei Supraporten, Putten mit den Emblemen der Freundschaft und Liebe, gemalt von Christian Bernhard Rode, ursprünglich in Raum 5, sind erst 1888 hierher versetzt.

Christian Bernhard Rode wurde nach Pesnes Tode (1757) dessen Nachfolger als Hofmaler, seit 1783 leitete er die Berliner Kunstakademie. Kein großer Könner, aber ein gefälliges, leicht arbeitendes Talent.

Die dritte Supraporte ist 1907 gelegentlich des modernen Türdurchbruchs hinzugefügt. Türen und Täfelungen aus Nussbaumholz vom Umbau 1888. Wandbespannung erneuert. -Mobiliar von Jean-Baptiste Lelarge.

Die G e m ä l d e , Meisterwerke Antoine Pesnes, z. T. in hervorragend schönen alten Rahmen, stellen fünf Schwestern Friedrichs des Großen dar:

1. Markgräfin W i 1 h e 1 m i n e von Bayreuth (1709-1758), gemalt um 1750.

Als Friedrich von ihrer letzten Erkrankung hörte, schrieb er an seinen Bruder Heinrich: "Denke daran, dass ich von frühester Kindheit an mit meiner Bayreuther Schwester erzogen worden hin, dass solche erste Neigungen unzerstörbar sind, dass unsere innige Liebe niemals die geringste Trübung erfahren hat, dass wir zwei Körper, aber nur eine Seele haben." Als Zeugnis dieser Gesinnung erhebt sich im Park von Sanssouci der Wilhelmine gewidmete "Freundschaftstempel".

2. Königin Luise U l r i k e von Schweden (1720-1782), gemalt kurz vor ihrer Vermählung 1744 (Abb. 10).

3. Prinzessin A m a l i e (1723-1787), gemalt um 1744; diese zwei hingen bei Friedrich dein Großen im Konfidenz-Tafelzimmer (Raum 9), die Rahmen waren ursprünglich versilbert.

Treffend scheint das Gedicht Voltaires auf die beiden Schwestern: ,.Käme Paris wieder auf die Erde Dass zwischen Euch er Richter sei: Den Apfel schnitt' er flugs entzwei Und brächte keine Kriegsgefährde.

Aber wie traurig gestaltete sich das Geschick der schönen Amalie im Alter: "Sie konnte nur mit großer Mühe sprechen - und brachte nur einen heiseren, dumpfen Ton hervor, der wie aus einem Grabgewölbe hervorhallte. Ihr Kopf wackelte hin und her und konnte kaum auf dem dünnen Halse aufrecht getragen werden; für ihre Beine war selbst dieser arme abgezehrte Körper fast schon eine zu schwere Last, ihre Arme und Hände waren mehr als zur Hälfte gelähmt." (Thiebault, 1804.) Ihr Herz hatte den vom König aus Gründen der Staatsraison erzwungenen Verzicht auf den Frhr. von Trenck nicht verwinden können.

4. Herzogin Philippine C h a r 1 o t t e von Braunschweig (1716-1801), die Großmutter des Herzogs Karl August von Weimar, gemalt um 1744.

5. Markgräfin Friederike L u i s e von Ansbach (1714 bis 1784).

Schöner K a m i n s c h i r m mit reicher Stickerei und gemalten Ansichten aus dem Charlottenburger Park vom Ende des 18. Jahrhunderts. - Englische Uhr aus der gleichen Zeit von Henery Hardmann, Liverpool.

Die Ausstattung zur Zeit der Kaiserin Auguste Viktoria hat häufiger gewechselt. zunächst hingen hier ein lebensgroßes Bild der Königin Luise von Joh. Friedr. August Tischbein (jetzt in Doorn) und ein Altersbild der Königin Elisabeth Christine, Gemahlin Friedrichs des Großen, von Anton Graff (jetzt im Hohenzollern-Museum, Schloss Monbijou), später fanden die oben genannten Meisterwerke Watteaus hier ihren Platz.

RAUM 18

,.Marmorsaal", von Langhans für die Königin Friederike Luise gebaut.

Schreibzimmer Auguste Viktoria
Schreibzimmer Auguste Viktoria

SCHREIBZIMMER DER KAISERIN AUGUSTE VIKTORIA, im wesentlichen in der Langhansschen Form von 1791 erhalten. Stuckmarmorwände, ihre ursprüngliche Gliederung durch die Fortnahme der Felderteilung und der den Fenstern gegenüberliegenden flachen Nischen beeinträchtigt; ovale K u p p e 1 d e c k e mit Malereien von Johann Christoph Kimpfel: Apollo mit dem Sonnenwagen, umgeben von den Zeichen des Tierkreises, die Vergoldungen nicht ursprünglich. Unter dem Deckengesims R i e f s nach Entwürfen von Johann Gottfried Schadow (1764--1850): Hochzeit von Amor und Psyche, Raub der Sabinerinnen, Festzug des Bacchus und der Ariadne. In den Wandnischen M a r m 0 r s t a t u e n von Anthoon Tassaert (1729 1788), dem Lehrer Schadows: Die Liebe von der Freundschaft genährt, Die Liebe der Freundschaft geopfert, Amor auf der Schulter von Venus, Bacchus. Atalante und Hypomenes (die beiden letzten bez. 1784).

M ö b e l von Jean-Baptiste Lelarge wie in Raum 16. Einrichtung zur Zeit der Kaiserin vgl. Abb. 9.

RAUM 23 u. 24

Ehemals SCHLAF- U. BADEZIMMER DER KAISERIN AUGUSTE VIKTORIA. Hier sind jetzt Modelle, Zeichnungen und A n s i c h t e n zusammengestellt, die für die B a u g e s c h i c h t e d e s B e r l i n e r S c h l o s s e s wichtig sind. In der Mitte von Raum 23 ein Modell des Schlosses mit seiner Umgebung, das den Zustand um 1650, also vor dem großen Schlüterschen. Umbau wiederzugeben versucht. Zwischen den Fenstern das alte Holzmodell des Eosanderportals, dessen Turmaufbau leider verloren gegangen ist.

RAUM 19

Thronzimmer der Königin Friederike Luise, als BIBLIOTHEKSZIMMER 1888 nach Plänen Ernst v. Ihnes (1848 bis 1917) eingerichtet. Über dem Kamin Bildnis Friedrichs des Großen als Kronprinz aus der Werkstatt Pesnes; über den Schränken in der Nussbaumtäfelung Bildnisse Friedrich Wilhelms I., des Großen Kurfürsten, Peters d. Gr., Gustav Adolfs und Maria Theresias ohne künstlerischen Wert. Deckenbild, Athena umgeben von den Musen, von Woldemar Friedrich (1846-1910).

Der große runde Tisch mit Platte aus Nußbaum wurde erst 1917 erworben. Die in den Schränken aufgestellten Bücher gehören nicht zum alten Bestand, entsprechen aber im allgemeinen seinem Charakter.

RAUM 20

Ehedem zwei Räume, 1888 als SPEISEZIMMER eingerichtet nach Entwurf von Walter Kyllmann und Adolf Heyden. Stuckdecke nach Entwurf von Otto Lessing (1846-1912). Deckengemälde, Huldigung vor Friedrich dem Großen, nach Entwurf Anton v. Werners (1843-1915) von Karl Wendling (1851-1914).

Zur Zeit Wilhelms II. hingen an den Wänden fünf französische Gobelins nach Entwürfen von Francois Boucher (1703-1770), statt ihrer sind mehrere Gemälde aufgehängt, darunter ein großes und geschichtlich bedeutungsvolles Werk Adolf v. Menzels (1815 - 1905) mit der Darstellung der K r ö n u n g Wi 1 h e 1 m s I. zum König von Preußen in der Schlosskirche zu Königsberg am 13. Oktober 1861.

Links vom König kniet Feldpropst Thielen, er liest die Gebetsformel vor; rechts kniet der Kronprinz, der spätere Kaiser Friedrich III mit dem Reichsapfel in den Händen. Im Vordergrunde stehen links die Prinzen des königlichen Hauses, rechts die Staatsminister und Ritter des Schwarzen Adlerordens (siehe die Skizze in der gegenüberliegenden Fensternische). Es gibt vier farbige Entwürfe zu dem Bilde und mehr als hundert Bildnisstudien (Nationalgalerie), denn treue Wiedergabe der geschichtlichen Persönlichkeiten lag dem Künstler wie dem königlichen Auftraggeber besonders am Herz,.. Wegen der geschlossenen Bildwirkung ist die Stellung der Vordergrundsfiguren freilich eine etwas andere, als sie in Wirklichkeit war. Menzel, der der Krönung beiwohnte, hat fast 4 Jahre an dem Gemälde gearbeitet, das erst gegen Ende des Jahres 1865 fertig wurde.

Daneben die B i 1 d n i s s e Wilhelms I. von Ferdinand Weiß (1886) und Friedrichs III. von Leo Reiffenstein (1889). An der gegenüberliegenden Wand Bildnisse des Königs Friedrich August III. von Sachsen (1750-1827) und seiner Gemahlin Amalie Auguste von Pfalz-Zweibrücken (1752-1828), beide von Anton Graff.

Kurfürst Friedrich August III. regierte seit 1763; 1806 schloss er sich dem Rheinbund von Napoleons Gnaden an, wofür er die Königswürde annehmen durfte; bei Leipzig kämpfte er 1813 auf französischer Seite, wurde gefangen genommen und musste 1815 fast die Hälfte seines Landes an Preußen abtreten.

Vor dem Spiegel neuer Bronzeguss nach dein Kopf des von Andreas Schlüter modellierten Denkmals Kurfürst Friedrichs III. aus dem Jahre 1697, das zunächst im Berliner Zeughaus aufgestellt war, seit 1801 aber vor dem Königsberger Schloss steht.

Auf der Tafel ein Teil des "S t ä d t e s i l b e r s" als Leihgabe der Stadt Berlin. 414 preußische Städte schenkten dem deutschen Kronprinzen Friedrich Wilhelm (geb. 1882) anlässlich seiner Vermählung mit Prinzessin Cäcilie von Mecklenburg-Schwerin (geb. 1886) im Jahr, 1905 ein Tafel­silber für 50 Personen, an dem noch 1914 bei Ausbruch des Krieges gearbeitet wurde. Nach dem Kriege wurde das Eigentum strittig, schließlich erwarb die Stadt Berlin das Silber mit der Verpflichtung, es auszustellen. Namhafte Bildhauer und Silberschmiede waren an der Herstellung beteiligt: Das Figürliche wurde nach Entwürfen von Adolf Amberg August Gaul (1869-1921), Fritz Klimsch (geb. 1870), Hugo Lederer (geb. 1871), Constantin Starck (geb. 1866), Ignatius Taschner (1871-1913), August Vogel, Ernst Wenck (1865-1929) und Wilhelm Widemann gearbeitet. Platten, Teller und Schüsseln entwarf und arbeitete neben anderen Silberschmieden Emil Lettré (geb. 1876), die Bestecke Theodor Wenck Entwurf der Gläser von Hans Vauk.

RAUM 21

Schlicht getäfelter VORRAUM.

Venus-Figur in Marmor von Emil Wolffs (1802-1879). Auf zwei klassizistischen Konsoltischen zwei große Berliner P o r z e 11 a n v a s e n mit Ansichten aus Berlin und Potsdam, zweites Viertel des 19. Jahrhunderts. Auf dem Kamin astronomische Uhr von Robin, Paris 1778., in reichem Gehäuse aus vergoldeter Bronze Leihgabe des Grafen Perponcher, Berlin.

RAUM 22

MARMORTREPPE, gebaut von Johann Friedrich Eosander. aber unvollendet geblieben; Ausführung der Stufen und des Geländers in schlesischem Marmor 1863-1864; Bekleidung der Wände und Stützen mit Stuckmarmor 1902. Eosander hatte eine doppelgeschossige Säulenhalle zwischen den beiden Schloßhöfen geplant. Ausgeführt wurden nur die Vorbauten mit den Treppenhäusern. so daß das alte Quergebäude erhalten blieb, der Treppe aber auch die geplante Belichtung fehlt.

Unter den an den Wänden verteilten B i 1 d n i s s e n sind bemerkenswert:

1. Friedrich III., der Erbauer des Schlosses, von Friedrich Wilhelm Weidemann (1668 bis 1750);

2. Friedrich Wilhelm der Große Kurfürst von Pieter Nason (1612-1688,91);

3. von dem gleichen Künstler das Bildnis eines unbekannten Fürsten aus dem Jahre 1666; der
Dargestellte galt lange Zeit als der Große Kurfürst;

4. Friedrich Wilhelm III. von Franz Krüger (1797-1857), gemalt 1836.

WICHTIGE SCHRIFTEN

Beschreibung der Königl. Residenzstädte Berlin und Potsdam, aller daselbst befindlicher Merkwürdigkeiten und der umliegenden Gegend. 3. Aufl. Berlin, 1786 bei Friedrich Nicolai. 3 Bde.

J. D. F. Rumpf, Beschreibung der äußern und innern Merkwürdig­keiten der Kgl. Schlösser in Berlin usw. Berlin 1796.

Max Schasler, Berlins Kunstschätze. Berlin 1856.

Robert Dohme Das Kgl. Schloß in Berlin. Leipzig 1876.

Cornelius Gurlitt, Andreas Schlüter. Berlin 1891.

Richard Borrmann, Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin. Berlin 1893.

Albert Geyer, Zur Baugeschichte des Kgl. Schlosses in Berlin. Hohenzollern-Jahrbuch Bd. 1 (1897), S. 146-173 und Bd. VII (1903), S. 249-292.

Von Albert Geyer, der auch die beiden ersten Auflagen dieses Führers bearbeitete, wird demnächst im Deutschen Kunstverlag, Berlin, der 1. Band einer großangelegten Geschichte des Berliner Schlosses erscheinen; er behandelt die Kurfürstliche Zeit bis zum Jahre 1698.

Heinz Ladendorf, Der Bildhauer und Baumeister Andreas Schlüter. Berlin 1935.