Ein Resumée

Erste Anhörung der Internationalen Expertenkommission "Historische Mitte "Berlin" am Mittwoch, den 18.April 2001, von 09:00 Uhr - 18:00 Uhr im Berliner Rathaus - ein Resumée -

von Klaus Jürgen Velke

Der Vorsitzende der Internationalen Expertenkommission "Historische Mitte "Berlin" stellte kurz die wesentlichen Erwartungen der Kommission an die Vertreter der einzelnen Interessengruppen vor. Danach wird erwartet, dass die Interessengruppen logische und damit machbare Vorschläge für die Nutzung des Schloßplatzes vorbringen. Diese Vorschläge sollen u.a. Aussagen enthalten zur Nutzung des Schloßplatzes in der Mitte Berlins, zur Integration des Vorschlages in die städtebauliche Struktur, zur Architektur und zur Finanzierung.

1. Gesellschaft zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses e.V.

Prof. Harms (Vorsitzender)

 

2. RoC-GmbH

Vortrag: Dr. Dieter Rexrodt (Intendant Rundfunkorchester, Chöre)

Der Schloßplatz wird als symbolischer Ort angenommen, in dem eine kulturelle Definition mit öffentlicher Wirkung erfolgen muß. In einem dort zu errichtenden Gebäude sollen alle Künste vertreten sein, u.a. eine Bibliothek und eine Musische Volkshochschule. Ein Konzertsaal mit 2000 Plätzen und ein Kammermusiksaal mit 500 Plätzen würde den Bedarf an entsprechenden Einrichtungen für die Berliner Philharmoniker etc. sowie für Berlin decken.

 

3. Rat für Stadtentwicklung

Frau Helga Schmidt-Thomsen (Vorsitzende)

Herr Bodenschatz

Der Rat für Stadtentwicklung umfasst alle, die in Berlin im Bereich Bauen meinungsgebend sind.

Der Schlossplatz ist im Zusammenhang mit der Ost- Westorientierung der gesamten Stadt zu verstehen. Das Stadtschloss dokumentierte die Westorientierung, war ein Verwaltungsgebäude und diente zu Feierlichkeiten in der Kaiserzeit. Der Palast der Republik dokumentierte die Ostorientierung mit Staatsratsgebäude und Außenministerium als weitere Elemente der DDR-Herrschaftsform.

Die Museumsinsel ist als Ort der Kunst und Wissenschaft geplant und realisiert worden.

Das Schlossareal soll zu einer heiteren bunten Stätte der Wissensgesellschaft werden, frei von politischer und ökonomischer Einflußnahme. Hier soll eine zeitgenössische Kammer des Wissens entstehen. Die städtebauliche Gestaltung soll an die gesamte deutsche Geschichte erinnern, die Spreeinsel von der Bürgergesellschaft besetzt werden, historische Fundstücke in einer Erinnerungskultur bewahrt werden. Das Schloßareal bedarf eines zukunftsgerichteten Nutzungs- und Baukonzepts. Der Wiederaufbau des Stadtschlosses trägt zu einer Comicversion von Erinnerung bei. Eine moderne städtebauliche Gestaltung des Platzes ist notwendig als Forum der Republik, Ort des Wissens und Ort der Kunst.

 

4. Humboldt-Universität Berlin

Prof. Dr. Jürgen Mlynek (Präsident)

Herr Bredekamp

Die Humboldt-Universität ist bereit ihre Sammlung des Wissens an das Stadtschloss zurückzugeben, als dem Ort, woher diese Sammlung stammt. Ziel ist eine Lebendigkeit des Stadtschlosses herzustellen, indem es als wissenschaftsgeschichtliches Museum gleichermaßen dient wie als Ort für Hörsäle, Bühnen und andere Dienstleistungen, die die Wundekammern des Wissens jedem Bürger eröffnen (Lesungen, Konzerte, Empfänge). Integriert werden muß auch das interdisziplinäre Helmholtz Zentrum der Humboldt Universität. Mit der Vereinigung der Sammlungen der Humboldt Universität und von Dahlem hätte Deutschland ein erstes wissenschaftsgeschichtliches Museum von Rang. Der Raumbedarf für das Museum beträgt insgesamt ca. 210 - 215 000 qm, davon

 

5. Stiftung Preussischer Kulturbesitz

Prof. Dr. Peter-Klaus Schuster

Der Schloßplatz ist ein kostbares und symbolbeladenes Grundstück mit vorrangiger Bedeutung. Die Entscheidung des Bundes zur Bebauung und Nutzung dieses Platzes muß der Geschichte dieses Ortes gerecht werden.

In Dahlem befindet sich nach der Wiedervereinigung ein Torso der früheren Ausstellungen und Sammlungen. Ein Großteil der Sammlung ist in Berlin an die angestammten Plätze zurückgekehrt. Berlin soll sich zur führenden Kunst- und Museumsstadt in der Welt entwickeln. Hierzu ist es notwendig, für das Schlossareal eine Museumskonzeption umzusetzen . Dabei ist der Museumsinsel die europäische Kultur vorbehalten, während das Schloss ein Zentrum der außereuropäischen Kultur werden soll. Damit wäre an zentraler Stelle ein anschaulicher einmaliger Ort des Weltkulturerbes geschaffen.

Das Stadtschloß würde sich aus der negativen historischen Belastung des Begriffes Preußen lösen und mit der von Preußen und den Brüdern Humboldt geschaffenen Sammlung außereuropäischer Kultur das positive Preußen besetzen als Hüter des Weltkulturerbes. Das Stadtschloß würde sich zu einem Ort des Geistes, der Humanität und der Toleranz wandeln.

Die Zerstörung des Stadtschlosses zu DDR-Zeiten ist ein Ergebnis von Ratlosigkeit. Der Wiederaufbau des Stadtschlosses mit der neuen Nutzung führt zu einem reflektierten Nationalverständnis, das von der BR Deutschland mitgetragen werden kann.

Das barocke Stadtschloß wiederaufzubauen ist als Antithese zum neuen klassizistischen Museum zu betrachten. Neben dem Museum sollen in dieser Freistätte der Künste und Wissenschaften Festsäle, ein Collège d´Europe, Buchhandlungen etc. einziehen.

 

6. Gesellschaft Historisches Berlin e.V.

Annette Ahme (Vorsitzende)

Das Stadtschloss ist der Schlußstein für ein einmaliges städtebauliches Ensemble. Die Nutzung hat sich am Centre Pompidou zu orientieren. Moderne Entwürfe für den Schlossplatz scheitern an der Herangehensweise moderner Architekten, bei der neue Formen im Mittelpunkt der Bauweise stehen, während früher eine fassadenorientierte Architektur im Mittelpunkt stand. Damit befindet sich eine moderne architektonische Lösung automatisch im Widerspruch zur umgebenden städtebaulichen Situation.

Im Juni ist ein Kongress deutscher Städte geplant, bei dem der Wiederaufbau historischer Gebäude thematisiert wird.

Zur "neu zu gestaltenden" Ostsite des Stadtschlosses ist über einen Denkmalskongress eine harmonische Lösung zu finden. Alternativ bieten sich an

 

7. Zentrale Landesbibliothek

Dr. Claudia Lux

Die Zentrale Landesbibliothek hat täglich 4 - 6000 Besucher. Bei einer Integration der ZLB in ein Gebäude mit Museums- und anderen Funktionen ist mit einem täglichen Besucherstrom von bis zu 10 000 zu rechnen. Die ZLB entstand aus der Berliner Stadtbibliothek und der Amerika Gedenkbibliothek. Die ZLB verfolgt den Ansatz des Centre Pompidou und will ein Ort der Begegnung sein. Für die ZLB ist es unerheblich, ob das dringend benötigte Gebäude für die umfangreichen Buchbestände als moderner oder als Stadtschloss ausgerichteter Baukomplex auf dem Schloßplatz entsteht. Die Kosten für eine ZLB betragen ca. 300 Mio DM. Es werden ca. 50 000 qm Fläche für die ZLB in einem solchen Gebäude benötigt.

 

8. Verein zur Erhaltung des Palastes der Republik e.V.

Lieselotte Schulz (Vorsitzende)

Zur geschichtlichen Klarstellung ist anzumerken, dass die Hohenzollern gegenüber der DDR zugunsten des Wiederaufbaus des Berliner Doms auf das Stadtschloss und dessen Wiederaufbau noch vor dessen Sprengung verzichtet hätten.

Die Wiederherstellung des Palastes der Republik kostet ca. 882,5 Mio DM. Ein Volkshaus wie es der Palast der Republik dargestellt habe, steht der BR Deutschland gut zu Gesicht als Wiedergutmachung am Umgang mit der DDR Bevölkerung. Die Wiederherstellung ist Bauherrenpflicht.

Die Einlagerung von Teilen des PdR ermöglichen die Rekonstruktion trotz der von der letzten Volkskammer beschlossenen Asbestsanierung. Die Integration der Zentralbibliothek ist möglich. Größere innere Veränderungen am PdR sind aus statischen Gründen nicht möglich.

PdR stellt den städtebaulichen Abschluß zum Alexanderplatz dar.

 

9. Bürgerinitiative "Pro Palast" und Sprecherrat der ehem. Mitarbeiter

Dr. Rudolf Ellereit

Ziel sollte eine Neuaneignung des Schoßplatzes sein. Der PdR stellte ein Volkshaus, Kommunikationshaus, Ort der Entspannung und einen Ort der Begegnung dar. Die Nutzung dieses Ortes soll nicht hinter den Anspruch von vor dem Zeitpunkt der Asbestsanierung zurückgehen. Eine weitere Verbauung des Schlossplatzes ist anzustreben, dies war auch zu DDR-Zeiten so vorgesehen. Eine Finanzierung der Gesamtmaßnahme hat durch die öffentliche Hand oder in Form von Abgaben bzw. durch eine Stiftung zu erfolgen. Mit der Veränderung vom Stadtschloss zum Palast der Republik sind die Bürger am Ort der Herrschaft angekommen.

 

10. Historische Kommission zu Berlin

Prof. Dr. Gerd Heinrichs (Stv. Vorsitzender)

An historischen Stätten verdichtet sich Geschichte. Eine - soweit möglich -vollständige Rekonstruktion des Stadtschlosses als Monument der preußischen Geschichte, Kultur und Kunst ist anzustreben. Das Stadtschloss stellt das andere Preußen dar. Eine Mischnutzung im Stadtschloss hat Tradition. In einem Schlossmuseum soll die Geschichte des Stadtschlosses wie auch die Preußens und seines Einflusses auf die Geschichte Europas dargestellt werden. Ein Wiederaufbau des Schlosses ist unumgänglich.

 

11. Förderverein Berliner Stadtschloß e.V.

Wilhelm von Boddien (Vorsitzender)

Berlin erlebt einen Verlust internationaler Großveranstaltungen durch mangelnde Räumlichkeiten. Das ICC hat sich für Derartiges als ungeeignet erwiesen. Die vorgestellten Nutzungskonzepte werden mitgetragen. Es geht im wesentlichen bei der Rekonstruktion des Stadtschlosses um die Fassaden, den Schlüterhof und die Herstellung von einigen Räumen als Schlichträume, die später entsprechend ihrer historischen künstlerischen Bedeutung wiederherzustellen wären. Von den 1200 Räumen des Stadtschlosses waren nur 80 kunsthistorisch bedeutsam.

Der Wiederaufbau des Stadtschlosses hat seine elementare Funktion beim Heilen des Stadtbildes, das mit dem Wiederaufbau der Kommandantur und der Bauakademie seine historische Ausgestaltung erfährt. Als Beispiel für eine gelungene Rekonstruktion ist der Preußische Landtag anzuführen.

Die Kosten für einen Wiederaufbau des Stadtschlosses sind auf ca. 1,15 Mrd DM zu schätzen, davon 1 Mrd. DM für den Baukörper, 150 Mio DM als Spenden für die Herstellung der Fassaden.

Gedacht ist an eine Finanzierung des Projektes über eine Aktiengesellschaft. So verteilt sich die Gesamtsumme auf

Durch eine Sperrminorität für die Öffentliche Hand kann sichergestellt werden, dass das Stadtschloss einer dem Ort angemessenen Nutzung verpflichtet bleibt. Über eine public private partnership mit mehrheitlicher Beteiligung der Öffentlichen Hand kann der Komplex betrieben werden.

Eine Bauzeit von 10 Jahren für das Projekt erscheint realistisch. Allerdings gibt es nur ein begrenztes Zeitfenster, in dem das Projekt bzgl. der Nutzungsalternativen realisiert werden kann, bevor einzelne Nutzungen anderweitig realisiert werden.

Der PdR ist nicht mehr als Bestandteil in das neue Stadtschloss integrierbar. Soweit die ZLB nicht eingebunden werden kann, da dem Land Berlin das Geld fehlt, sollten die dafür vorgesehenen Räume als Büros vermietet werden.

 

12. Arbeitskreis Perspektive Schloßplatz

Katrin Lompscher

Die Gestaltung des Schlossplatzes ist in die Gesamtbetrachtung der Spreeinsel, Fischerinsel und Museumsinsel einzubeziehen. Die bisherige Beteiligung der Öffentlichkeit am Ideenwettbewerb ist nicht ausreichend. So ist eine Transparenz durch Bürgerbeteiligung herzustellen, die über die Einbeziehung der Anwohner, von Interessengruppen aus Deutschland bis hin zur Herstellung einer internationalen Öffentlichkeit erreicht werden soll.

Eine architektonische Lösung muß sich in das städtebauliche Raumgefüge einbinden. Ein Brückenschlag über die Spreeinsel Richtung Alexanderplatz ist anzustreben. In die historische Mitte Berlins muß ein Maximum an Leben fließen. Ziel sollte bei der Beplanung von Berlins Mitte sein, ein weniger an Autos und die bessere Erreichbarkeit durch öffentliche Verkehrsmittel. Die Karl Liebknecht Brücke ist zurückzubauen und Fußgängerbrücken sind zu realisieren. Es sind Sichtbeziehungen zu schaffen und ist eine gestalterische Vermittlung zwischen den Stadtbereichen: Dom, Rotes Rathaus und Fernsehturm durch den Neubau herzustellen. Die Nutzungsvorschläge mit einem überwiegenden Anteil öffentlicher Nutzung wie Centre Pompidou, Volkshaus oder PdR werden mitgetragen. Der Schloßplatz muß zu einem kulturell vermittelnden Raum werden, in dem exzentrische Bauten keinen Platz haben. Respekt und Harmonie müssen den Platz prägen. Die Bauakademie wie auch das Staatsratsgebäude (für öffentliche Veranstaltungen) haben darin ihren Platz. Archäologische Grabungen sind zu schützen; die Schlossfreiheit muß gewahrt werden. Der PdR ist, auch wenn er im bisherigen Umfang nicht erhalten bleiben kann, in das Konzept für den Schloßplatz einbezogen werden.

 

13. Stadtteilvertretung Spreeinsel

Anne Wagner-Junker (Sprecherin)

Die Spreeinsel muß sich als modernes Netzwerk darstellen. Berücksichtigung der Anwohnerinteressen bei der Überplanung des Schloßplatzes ist notwendig. Das Staatsratsgebäude ist für öffentliche Veranstaltungen und die Vereine verfügbar zu halten.

 

Kommentar:

Aus den Beiträgen der einzelnen Interessengruppen ergeben sich eine Vielzahl von Fragen, die der Beantwortung noch zugeführt werden müssen.

So stellt das Konzept von Prof. Harms eines Museums, das dem Smisonian nahe kommt, einen hohen Anspruch an die im Stadtschloss zur Ausstellung gelangenden Exponate.

Dem Vortrag von Dr. Rexrodt fehlt eine fundierte Analyse der Auslastung der vorhandenen künstlerischen Einrichtungen, die die gleiche Zielgruppe ansprechen sollen. Ein Konzertsaal mit 2000 Plätzen mag rentabel sein, ob er zu füllen ist , ist die Frage.

Die Idee eines Wissenstempel entsprechend den Vorstellungen von Herrn Bodenschatz erhebt einen Anspruch für den Schlossplatz als Ort der Elite und grenzt andere Gesellschaftsgruppen aus. Damit ergeben sich Probleme in der Nutzung des Platzes.

Die Vorstellungen des Herrn Bredekamp erinnern an ein Sammelsurium, das einen Ort zur Präsentation braucht. Ob damit ein breites Publikum angesprochen werden kann, wäre aus der Anzahl, Vielfältigkeit und Qualität der Exponate und der anderen Nutzungen abzuleiten.

Der historische Bezug, den Herr Schuster zwischen den außereuropäischen Sammlungen und dem Haus Preußen herstellt, mag bestechend sein, aber er überzeugt erst durch eine Prüfung der Qualität der Exponate. Ob sich das preußische Dilemma damit in der Geschichtsschreibung auflösen läßt, wie es Herr Lehmann betonte, hängt entscheidend von der Bereitschaft anderer ab, sich ein realistisches Preußenbild aneignen zu wollen.

Die von Frau Lux vorgeschlagene Teilnutzung als Bibliothek mag im Stadtschloss ebenso möglich sein, wie in einem wiederaufgebauten PdR oder auch in einem sonstigen beliebigen Neubau. Der Neubau einer Zentralbibliothek ist wichtig, aber es gibt keinen Grund hierfür die historische Mitte Berlins zu verbrauchen. Viele Nutzer von Bibliotheken werden über die neuen Medien in Zukunft eine unmittelbare Wissensvermittlung über die elektronischen Medien erfahren. Darüber hinaus werden zunehmend Bücher per Fernleihe bestellt, die einen unmittelbaren Besuch der ZLB überflüssig macht. Die Bereitschaft von Frau Lux in irgendein neues Gebäude ziehen zu wollen, um der beengten Raumsituation zu entkommen, war offensichtlich. Die Bebauung des Schlossplatzes bietet als eine der wenigen noch offenen öffentlichen Bauvorhaben für sie einen willkommenen Anlass sich mit einzubringen.

Die Wiederherstellung des PdR wie von Frau Schulz und Herrn Ellereit gefordert, verhindert den Aufbau einer Ost - West - Brückenfunktion dieses Platzes. Der PdR repräsentierte nur einen Teil Deutschlands. Das Stadtschloss dagegen stammt aus der Zeit als Deutschland noch vereint war und besetzt gemeinsame historische Ereignisse Deutschlands, die sogar dazu führten das Portal, von dem Liebknecht die Räterepublik ausrief, in das Staatsratsgebäude zu integrieren. Die Architektur des PdR stört im städtebaulichen Ensemble. Sein Platz wäre jenseits der Spree besser gewesen als städtebaulicher Abschluß in Richtung Alexanderplatz. einem Die Mehrkosten für das Stadtschloss wiegen den materiellen und immateriellen Nutzen eines wiederaufgebauten Stadtschlosses um ein Vielfaches auf. Dies um so mehr als die vorgestellten Nutzungskonzepte der anwesenden Interessenvertreter im wesentlichen die Nutzungen des PdR als Volkshaus widerspiegeln.

Der Vorschlag von Herrn von Boddien verlangt noch eine Schätzung der Abrißkosten für die Reste des PdR. Darüber hinaus bestehen Schätzungen laut Herrn Conradi, die besagen, dass das vorgebrachte Argument einer mangelnden Anzahl an gesellschaftlichen Räumen für Großveranstaltungen der Bundesregierung (z.B. Weltwirtschaftsgipfel, EU-Konferenzen, etc.), zukünftig nicht mehr vorhanden seien, da entsprechende Kapazitätsabschätzungen durch Baumaßnahmen aufgefangen würden. Es besteht sogar die Gefahr von Verdrängungswettbewerb durch zusätzliche Kapazitäten.

Die von Frau Lomper geforderte verstärkte Bürgerbeteiligung läßt sich nur sehr schwer herstellen und basiert auf Freiwilligkeit. Soweit Bürgerbeteiligung erfolgt, dann vielfach nur über Interessengruppen, die Bürgerbeteiligung bereits kanalisieren.

Im Ergebnis der Vorträge ist festzustellen, dass in allen Vorträgen im wesentlichen Berliner Interessenlagen dargestellt wurden, während ein mögliches Bundesinteresse an einer Bebauung des Schlossplatzes weder definiert noch inhaltlich ausgefüllt wurde. Das durch die Internationale Historische Kommission zu definierende Schloßareal gehört jedoch zu ca. 90 % dem Bund und nur zu 10 % dem Land.

 

Fragen:

Wichtig ist es, von Seiten der Stadtschlossbefürworter auf folgende Fragen eine plausible Antwort geben zu können:

Was für eine Interessenlage könnte den Bund, insbesondere den Bundestag, bewegen ca. 1 Mrd. DM zur Bebauung des Schloßplatzes auszugeben ?

Was wäre für die Bundesrepubik Deutschland angemessen zum Jahrhundertwechsel dort, auf dieser historisch bewegten Stelle, zu bauen ?

Wieso sollte man für die Bebauung des Schlossplatzes einen Rückgriff auf die Geschichte machen ?