Bauen wir ein Berliner Schloss mit Zukunft

Das Berliner Schloss war bis 1918 Teil eines Stadtbildes der Aufklärung mit Universität, Oper, Bibliothek, Bauakademie, Museen, Neuer Wache, Kirchen unterschiedlicher Glaubensrichtungen und dem Lustgarten. Es war Teil einer aufgeklärten Zivilgesellschaft, die sich Unter den Linden mit dem Forum Fridericianum, am Gendarmenmarkt und auf der Museumsinsel architektonisch und inhaltlich widerspiegelte.

Wir fordern vor diesem historischen Anspruch die Bundesregierung und den Berliner Senat auf, die Wiedererrichtung des Berliner Schlosses und seine Nutzung als Humboldtforum nachhaltig zu gestalten. Sie fordern die Verantwortlichen für dieses Projekt auf, das Berliner Schloss nicht nur äußerlich wiederherzustellen, sondern auch im Inneren sowie im unmittelbaren Umfeld in angemessener Weise zu bedenken, ohne dabei seine Nutzung als Humboldtforum in Frage zu stellen.

Wir fordern deshalb:

Die Herstellung der ursprünglichen Raumstruktur im 2.Obergeschoss von dem Schlüterschen Treppenhaus bis zum Weißen Saal mit einer gestalterischen Berücksichtigung ihrer künstlerischen Geschichte

Die exemplarische Herstellung mindestens eines kunsthistorisch bedeutenden Raumes im Berliner Schloss

Die Berücksichtigung noch erhaltener wertvoller Exponate aus dem Berliner Schloss im Nutzungskonzept

Die Herstellung des Schlüterschen Treppenhauses in schlichter Form für eine spätere plastische Rekonstruktion

Die Rückführung des Neptunbrunnens und der Rossebändiger an ihren historischen Standort auf den Schlossplatz und vor Portal IV

Die Restaurierung des Standbildes Moritz von Oraniens und die Rekonstruktion des Standbildes Gaspard de Coligny

 

Bauen wir ein Berliner Schloss mit Zukunft - Begründungen


Die Herstellung der ursprünglichen Raumstruktur im 2.Obergeschoss von dem Schlüterschen Treppenhaus bis zum ehemaligen Weißen Saal mit einer gestalterischen Berücksichtigung ihrer künstlerischen Geschichte

Begründung:

Die Räume des zerstörten Schlosses wiesen eine Größe aus, die jegliche museale Nutzung auch für Exponate der außereuropäischen Sammlungen, zulassen. Insoweit steht nichts einer baulichen Rekonstruktion dieser Räume im Rahmen des Bauprojektes entgegen. Diese Flächen müssen auf jeden Fall als Museumsflächen einer räumlichen Gestaltung zugeführt werden. Es ist jedoch sehr wichtig, dass diese Räume bereits jetzt entstehen, weil so eine spätere kostengünstige Rekonstruktion der kunsthistorisch wertvollen Räume des zerstörten Schlosses ermöglicht würde. Eine Rekonstruktion einzelner bedeutender Wandelemente wäre kostengünstig und würde gleichzeitig an die Geschichte des Ortes erinnern, ohne in Konflikt mit der beabsichtigten Nutzung zu geraten. Auch Weltkulturerbe (ICOMOS) hat die Ermöglichung der späteren Rekonstruktion dieser kunsthistorischen Räume bereits bei der Entscheidung des Architekturwettbewerbes gefordert.
Das Vorhaben wäre, soweit es um die Herstellung der historischen Raumstruktur geht, weitgehend kostenneutral.

 

Die exemplarische Herstellung mindestens eines kunsthistorisch bedeutenden Raumes im Berliner Schloss

Begründung:

Das Geburtszimmer Friedrichs des Großen, das Schreibzimmer Friedrichs des Großen (geschätzte Kosten der Wiederherstellung ca. 800.000 Euro), der Rittersaal, die Gobelin- und Bildergalerie, der Schweizersaal und Elisabethsaal ständen dafür zur Auswahl, weil diese Räume jeder entweder kunsthistorisch als bedeutsam oder als geschichtsträchtige Orte zu gelten hat. In keiner anderen Weise kann man so an die Geschichte des Ortes erinnern. Geschätzte Kosten ja nach Raum zwischen 10.000 Euro und 24.000 Euro/qm.

 

Die Berücksichtigung noch erhaltener wertvoller Exponate aus dem Berliner Schloss im Nutzungskonzept

Begründung:

Wer einen Dialog der Weltkulturen will, kann Europa aus diesem Dialog nicht ausschließen. Viele noch erhaltene Bilder, Wandteppiche, Skulpturen etc. aus dem Schloss sind europäisches Kulturerbe und erinnern an die Geschichte des Ortes. Sie hier in einen kulturvergleichenden Kontext einzusetzen, fördert die Auseinandersetzung mit den außereuropäischen Kulturen der Welt. Das Silberbuffet könnte an seinen ursprünglichen Ort zurückkehren.
Das Vorhaben wäre weitgehend kostenneutral.

 

Die Herstellung des Schlüterschen Treppenhauses in schlichter Form für eine spätere plastische Rekonstruktion

Begründung:

Das Treppenhaus ist zentraler räumlicher Dreh- und Angelpunkt für die Erschließung der einzelnen Stockwerke auf der Spreeseite. Es ist bautechnisch bereits geplant, dass die Zwischendecke so gebaut wird, dass sie später herausgenommen werden kann. Im Rahmen eines nachhaltigen Bauens wäre es wünschenswert, wenn diese Baumaßnahme (Herstellung des Schlüterschen Treppenhauses in schlichter Form für eine spätere plastische Rekonstruktion) vorgezogen würde.
Kosten für diese Maßnahmen wurden noch nicht erhoben.

 

Die Rückführung des Neptunbrunnens und der Rossebändiger an ihren historischen Standort auf den Schlossplatz und vor Portal IV

Begründung:

Der aktuelle Stellplatz des Neptunbrunnens wird durch zukünftige bauliche Vorhaben (Wiederbebauung des Marx-Engels-Forums) nicht mehr vorhanden sein. Die Rossebändiger befinden sich im Kleistpark nicht nur in einem völlig zusammenhanglosen räumlichen Kontext; sie wurden letztlich auf Befehl der Sowjetischen Kommandantur an diesen Platz in einen völlig ahistorischen Zusammenhang verbracht. An ihrem ursprünglichen Standort würden sie ihre künstlerische Wirkung wie auch Zuordnung zu den umliegenden Bauten wieder entfalten.
Die geschätzten Kosten belaufen sich auf ca. 975.000 Euro (Umsetzung und den Aufbau des Neptunbrunnens) und ca. 241.000 Euro für die beiden Rossebändiger.

 

Die Restaurierung des Standbildes Moritz von Oraniens und die Rekonstruktion des Standbildes Gaspard de Coligny

Begründung:

Hugenotten und Holländer haben in der Vergangenheit Berlins eine zentrale Bedeutung für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung dieser Stadt gehabt. Diese wird heute viel zu gering eingeschätzt. Ihr sollte an diesem zentralen Platz von Berlin wieder gedacht werden. Es wäre gleichzeitig ein symbolischer Ausdruck unserer Verbundenheit mit dem niederländischen und französischen Volk.
Die geschätzten Kosten belaufen sich auf ca. 190.000 Euro für Gaspard de Coligny und ca. 70.000 Euro für Moritz von Oranien.

 

Wir sind der Überzeugung, dass die hierfür aufzuwendenden finanziellen Mittel im Rahmen des vorhandenen Haushaltsbudgets von Bund und Land Berlin zur Verfügung stehen.

Begründung:

Die Bundesrepublik Deutschland hat mit dem Projekt des Wiederaufbaus des Berliner Schlosses ein bürgerschaftliches Engagement verbunden, das in erheblichem Maße über das vergleichbarer Projekte im In- und Ausland hinausgeht. Ohne diese Spendenbereitschaft wäre der Wiederaufbau der historischen Fassaden vom Deutschen Bundestag nicht beschlossen worden. Vergleichbar erfolgreiche private Spendensammlungen zugunsten des Nutzungskonzepts Humboldtforum sind nicht bekannt und wohl auch nicht beabsichtigt.

Gleichzeitig erwartet die Bundesrepublik Deutschland als Bauherr, dass das mit der Wiedererrichtung des Berliner Schlosses verbundene Nutzungskonzept Humboldtforum Deutschland als eine führende Kulturmacht in der Welt präsentiert. Das Berliner Schloss soll zu einem Schaufenster der Weltoffenheit Deutschlands werden. Es soll Ausdruck eines multikulturellen Deutschlands mit einer neuen nationalen Identität sein. Es soll das größte Kulturbauvorhaben in Deutschland sein.
Wenn die Bundesrepublik Deutschland diesen Anspruch formuliert, hat sie dieses Projekt in ihre Verantwortung zu übernehmen und auch zu finanzieren. In anderen Ländern ist dies eine Selbstverständlichkeit. Das Gleiche gilt auch für das für das Schlossumfeld zuständige Land Berlin.

Deutschland hat eine jahrhundertealte europäisch geprägte Kultur, die vor Zeiten des Nationalismus einen grenzüberschreitenden Austausch der Künstler bewirkte. Vieles im, am und um das Berliner Schloss wurde von Künstlern jedweder Nationalität erschaffen, die sich von vergleichbaren Bauten in Europa inspirieren ließen. Dies muss sich im Berliner Schloss als einem der großen Baudenkmale deutscher Baukunst und der europäischen Barockarchitektur ausdrücken.

Sorgen wir für einen Dialog der Weltkulturen, bei dem Europa nicht ausgeschlossen wird. Bauen wir ein Berliner Schloss mit Zukunft.