Vorbemerkungen

Die Gesellschaft Berliner Schloss setzt sich seit ihrer Gründung 1991 für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses ein. Die bisherigen Entscheidungen zum Wiederaufbau des Berliner Schlosses werden diesem Gedanken nicht gerecht. Zwar wird das Berliner Schloss auf der Nord-, West- und Südseite in seinen Barockfassaden äußerlich wiederhergestellt, jedoch fehlen der ehemalige Apothekerflügel , der in seiner räumlichen Vielschichtigkeit als ältester Teil des Schlosses eine Vielzahl an kunsthistorisch bedeutsamen Räumen enthielt, die unwiederbringlich mit dem im Bauhausstil zu errichtenden „Spreeflügel" verloren sind.

Neues Schloss
Perspektive Nordost / Quelle: BBR / Stella

Erfreulich war, dass sich das Landesdenkmalamt und Weltkulturerbe (ICOMOS) die Forderungen der GBS zu eigen machten: Einbeziehung der historischen Schlosskeller und aller Schlossfragmente am historischen Standort, Erstellung der zu rekonstruierenden Fassaden, inklusive beider Hoffassaden traditionsbewusst in Material und Ausführung, Rekonstruktion der Treppenhäuser und wichtiger historischer Raumfolgen (Paradekammern, Kunstkammern).

Bedauerlich ist, dass die bisherigen Planungen für die Wiedererrichtung des Berliner Schlosses als Humboldtforum diesen Forderungen nur in geringen Teilen Rechnung trägt. So wird der Schlosskeller nur partiell als archäologisches Fenster erhalten und mit einem kleinen Museum über die Geschichte des Ortes verknüpft. Der Schlüterhof wird an drei Seiten rekonstruiert, während der Eosanderhof vollständig zu Gunsten einer Agora aufgegeben wird.

Infolge des Nutzungskonzeptes und des damit verbundenen Raumbedarfes, werden die geforderten Treppenhäuser zwar konstruktiv vorgehalten, jedoch nicht in ihrer historischen Gestalt wiederhergestellt. Gleiches gilt für die kunsthistorisch bedeutsamen Räume des Berliner Schlosses. So werden neben dem Sternsaal, Teesalon, Arbeitszimmer Friedrich des Großen, Elisabeth-Saal, die Kunstkammerräume sowie die Paradekammern vom großen Treppenhaus bis zur Bildergalerie im zweiten Obergeschoss planerisch vorgehalten, jedoch auf lange Sicht nicht entsprechend ihrer ursprünglichen Form künstlerisch ausgestaltet noch ausgestattet. Der Weiße Saal, Ort der ersten Versammlung einer preußischen Volksvertretung am 11.April 1847, wie auch die Kapelle über Portal III (Eosanderportal) fallen vollständig dem neuen Nutzungskonzept zum Opfer.

Dieser Ort wird mit einer historischen Hülle versehen, ohne dass diese auch nur im Ansatz eine Entsprechung im Inneren findet. Vielmehr bemüht man sich über das Nutzungskonzept die kulturelle Geschichte dieses Ortes, als für Berlin-Brandenburg wie auch Deutschland und Europa bedeutsam, vergessen zu machen.

Insbesondere der barocke Umbau durch Andreas Schlüter zu Beginn des 18. Jhs. und die anschließende Erweiterung durch Johann Friedrich Eosander bis 1716, die das Volumen und die Fassaden des Schlosses bis zuletzt bestimmten, verwandelten das Schloss in eine Residenz von europäischem Rang, die jeder Hauptstadt zur Ehre gereicht hätte. Mit der Rezeption vor allem italienischer und französischer Bauformen schuf Schlüter ein Gebäude, das einem internationalen Stil verhaftet war und fraglos auch in Stockholm, Wien oder Turin hätte entstehen können. Das Berliner Schloss war die modernste Residenz im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und stellte baukünstlerisch auch den Sitz des Kaisers in Wien in den Schatten.

Dies gilt auch für seine kunst- und kulturhistorisch bedeutsamen Räume, deren dieser Zeit entsprechenden Ausstattung mit Wandteppichen, Mobiliar, Skulpturen etc. kein Problem wäre.