Vorbemerkungen
Der Auslobungstext zum Realisierungswettbewerb Wiedererrichtung des Berliner Schlosses / Bau des Humboldtforums sieht für die Kunstkammern und andere historische Innenräume, sowie die Ausstellung zur Geschichte des Ortes eine Fläche von 1500 m² von 40 000 m² vor.
Es heißt in diesem Text: ‚Die architektonische Gestaltung des‘ auf dem Schlossareal geplanten ‚ Gebäudes, insbesondere das Verhältnis von Nutzung und Innengestaltung‘ muss der kulturellen Nutzung des Humboldtforums ebenso wie der historischen Bedeutung des Ortes gerecht werden. Der Entwurf soll die geschichtlichen Brüche, bzw. Zeitschichten des Ortes Schlossareal erfahrbar machen‘(Seite 51 des Auslobungstextes)
Was darunter zu verstehen ist, lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen:
Der Große Schlosshof wird nicht wiedererstehen und einer sogenannten Agora weichen.
Die im Folgenden dargestellten Räume werden im Projekt des Wiederaufbaus des Berliner Schlosses / Bau des Humboldtforums planerisch vorgehalten, jedoch auf absehbare Zeit nicht restauriert: Raum 666 (Sternsaal), Raum 659 (Teesalon), Raum 648 (Arbeitszimmer Friedrichs des Großen), Raum 844 (Elisabeth-Saal), Raum 814-774 (Paradekammern vom Großen Treppenhaus bis zur Bildergalerie, 2.OG), Räume 983-982 (Kunstkammerräume, 3.OG. Diese Räume werden nach den bisherigen Planungen als museale Räume zur Ausstellung außereuropäischer Kunst und Kultur genutzt. Selbst von der Möglichkeit diese Räume mit dem historischen Interieur der Zeit vor dem 2.Weltkrieg auszustatten und erst sukzessive diese Räume in ihrer Ursprünglichkeit wiederherzustellen, wird abgesehen.
Nicht vorgehalten werden der Raum 770 (Weißer Saal) und Raum 769 (neue Kapelle über Portal III). Dabei ist gerade der Weiße Saal ein Denkmal der deutschen Demokratie gewesen, in dem die erste parlamentarische Vertretung Preußens erstmals zusammentrat. Eine Vielzahl weiterer Räume muss dem Nutzungskonzept des Humboldtforums weichen, so weitgehend bis vollständig die Wohnräume König Friedrichs I, die Paraderäume Königin Sophie Charlottes, die Wohnräume Kronprinz Friedrich Wilhelms (I), die Königskammern König Friedrich Wilhelms II u.a. mit dem Thronsaal, die Wohnung König Friedrich Wilhelms IV und der Alabastersaal . Auch das Geburtszimmer Friedrich des Großen wird nicht mehr rekonstruiert.
So verschwinden Zeitzeugen einer belle époque Preußens und damit ein Teil der Erinnerungskultur Deutschlands auf Dauer.
Über die zum Schloss gehörenden Denkmäler ist bis heute nicht entschieden, ob sie zum Schloss zurückkehren. Vorhanden sind noch: die Rossebändiger, der Neptunbrunnen, der Große Kurfürst, der Drachentöter.
Nicht mehr vorhanden sind: die Wettersäule, die Goldene Adlersäule, die Oranier, Admiral Coligny, und der Schlossgartenbrunnen. Sie alle ließen sich mit einem vertretbaren Aufwand wiederherstellen.
Die Gesellschaft Berliner Schloss hat es sich zum Ziel gesetzt die Erinnerung an diese Räume und Denkmäler in der Hoffnung wachzuhalten, dass diese irgendwann doch noch hergestellt werden. Wie das Schloss im Innern aussehen wird, können Sie der Rubrik Humboldtforum entnehmen.
Die folgenden Bilder und Texte sind aus der Publikation von Herrn Dr. Hinterkeuser: Das Berliner Schloss - mehr als nur Fassade, Deutscher Kunstverlag , entnommen.