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Großprojekt Berliner Schloss

17.02.2012 - Alle Kunst der Welt an einem Ort

Im Herzen Berlins entsteht das neue Berliner Schloss/Humboldt-Forum nach dem Entwurf von Franco Stella. Darüber hat der Architekturkritiker und WELT-Redakteur Rainer Haubrich sein jüngstes Buch "Das neue Berliner Schloss" veröffentlicht (Nicolai Verlag). Ein Interview mit dem Autor über das Jahrhundertprojekt.
                          

Stadtschloss
Perspektive Nordost / Quelle: BBR / Stella

European Circle: Wie sind Sie dazu gekommen, sich mit so einem Thema zu beschäftigen?
Haubrich: Ich bin 1987 nach Berlin gezogen. Dann kam der Fall der Mauer und die Debatte begann, wie man Berlin wieder aufbauen könnte. Ich habe viele Bücher über die Geschichte und die Architektur Berlins gelesen. Da bin ich zum ersten Mal auf das Schloss gestoßen.

European Circle: In Ihrer Einleitung wird sein Wiederaufbau als das bedeutendste Kulturprojekt zu Beginn des 21. Jahrhunderts erklärt. Was macht es so besonders?
Haubrich: Da gibt es mehrere Gründe. Erstens der Ort: Hier ist das Herz der deutschen Hauptstadt, der Stadt, die in Europa nach London und Paris am häufigsten besucht wird. Zweitens reden wir von einem gewaltigen Volumen: Es wird die Gestalt eines der wichtigsten deutschen Schlösser wieder erstehen. Das Wichtigste: Es entsteht ein museales Konzept, das es so auf der ganzen Welt bisher nicht gab. Wir haben die Museumsinsel auf der einen Seite mit ihren herausragenden Sammlungen und das Schloss auf der anderen, das die Museumsinsel um die außereuropäischen Sammlungen erweitern wird. Man wird dann auf engstem Raum fast alle Kunst aller Zeiten und aller Regionen der Welt besichtigen können. Das gibt es nirgendwo auf der Welt, und das macht es so besonders.

 

European Circle: Wie ist die Idee entstanden, das Schloss wieder aufzubauen?
Haubrich: Ich habe recherchiert, wann dieser Gedanke zum ersten Mal auftauchte. Interessanterweise hat es nach dem Fall der Mauer eine Weile gedauert, bis Politiker oder Kunsthistoriker die Idee aufbrachten. Der erste wichtige Essay dazu von Joachim Fest erschien erst ein Jahr nach dem Fall der Mauer. Damals hielten fast alle die Idee für einen Witz. Man meinte, es gäbe keine Pläne oder Bauteile mehr und man könne es nicht bezahlen. Die Mehrheit der Berliner wollte den Palast der Republik erhalten. Über die Jahre haben dann die Fans des Schlosses dafür geworben. Es gab 1993 die Attrappe, wo man auf Leinwand gemalt hatte, wie das aussehen würde. Ich glaube, damals haben viele gespürt, dass das Bauwerk gut dort hin passt, dass es sämtliche Bauwerke darum herum wieder zusammenbindet.

European Circle: Wie konnte sich der Architekt Franco Stella gegen die anderen durchsetzen?
Haubrich: Zunächst hat ja der Deutsche Bundestag mit großer Mehrheit beschlossen, dass das Schloss wieder aufgebaut wird. Mit der Vorgabe, welche Teile rekonstruiert werden sollen. Es war ja nie geplant, das ganze Schloss zu  rekonstruieren, es sollten die drei äußeren barocken Fassaden und der Schlüterhof wieder aufgebaut werden. Der Rest durfte modern gestaltet werden, auch die Fassade zur Spree. An dem anschließenden Wettbewerb haben 85 Architekturbüros teilgenommen. Stella hat mit großem Abstand und einmütigem Vortum der Jury gewonnen. Ich glaube, weil er am selbstverständlichsten die Vorgaben umgesetzt hatte. Er hat nicht versucht, einen brutalen Kontrast zu Schlüters Barock zu schaffen, sondern hat aus Liebe zum Schloss entworfen. Er wollte das, was er hinzu baut, nicht wichtiger erscheinen lassen als das Schloss selbst.

European Circle: Also gibt es keinen Bruch zwischen alter und zeitgenössischer Architektur?
Haubrich: Es ist überall klar zu erkennen, was historisch rekonstruiert wurde und was neu von Stella ist, aber einen Bruch würde ich das nicht nennen. Für manche Schlossfans, die das ganze Schloss wiederhaben wollten, ist es sicher ein Bruch, dass die Fassade zur Spree modern ist. Dann gibt es wieder andere, die gern ein komplett modernes Gebäude gehabt hätten. Aber das Innere wird modern sein. Es gibt etwa hinter dem Eingangsportal eine riesige Halle von dreißig Metern Höhe und dreißig Metern Breite. Dieser Raum hat nichts mit dem alten Schloss zu tun und wird bestimmt ein wunderbarer Veranstaltungsort.

European Circle: Welche Fragen behandeln Sie noch in Ihrem Buch?
Haubrich: Mein Buch ist in sechs Kapitel unterteilt. Ich beschreibe das alte Schloss, erzähle noch einmal von der zwanzigjährigen Debatte über den Wiederaufbau, ich stelle das neue Schloss vor, erkläre dann, wie die Handwerker die dreitausend Schmuckteile rekonstruieren und beschreibe das künftige Umfeld des Gebäudes. Im Anhang findet man die Alternativ-Entwürfe anderer Architekten.

Quelle: Rainer Haubrich -
Stv. Ressortleiter Meinung (Forum)
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