Berlin baut sich sein Schloss
12.01.2012 - Der Grundstein zum Humboldt-Forum soll bereits im April gelegt werden. Bauminister drückt aufs Tempo
Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) hat in den letzten Jahren oft den Eindruck hinterlassen, sich für das Humboldtforum in Gestalt des 1950 auf Anweisung der SED gesprengten Hohenzollern-Schlosses nicht sonderlich zu interessieren. Die Verhandlungen um den Baubeginn verliefen unter seiner Führung schlapp. Schloss-Enthusiasten fanden in dem gestandenen Bayern lange keinen engagierten Befürworter.
Irgendwann im Laufe des vergangenen Jahres muss Ramsauer aber aufgegangen sein, dass er sich mit einem Engagement für den von der Mehrheit der Berliner, der Mehrheit des Bundestags – der Wiederaufbau ist Gesetz – und einer Mehrheit der Bevölkerung gewollten Schlossbau einen Platz im Geschichtsbuch sichern könnte. Nun drückt er aufs Tempo, der Bau des größten deutschen Kulturprojekts ist damit unumkehrbar geworden.
Vor wenigen tagen haben Ramsauer und der Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz den endgültigen Vertrag zum Bau des Humboldtforums in barocker Fassadenpracht unterzeichnet. Damit ist die Finanzierungsvereinbarung nun verbindlich geregelt. Somit ist klar, wer beim bedeutendsten Imageprojekt der Deutschen welche Kosten übernimmt. Zugleich verblüffte Ramsauer mit seiner Ankündigung, im Frühjahr würden bereits die ersten Bagger zum Schlossplatz rollen. Hier profitiert er allerdings von der Tatsache, dass sich das Land Berlin im Zugzwang befindet.
Der Bau des Tunnels für die U-Bahn-Linie 5, der unter dem Schlossplatz hindurchführen wird, muss laut Planung 2013 beginnen. Im Zuge dieser Baumaßnahmen sind umfangreiche Vorbereitungen nötig: Bodenverdichtung, das Errichten von Spundwänden und der Bau einer massiven Betonsohle auf der gesamten Fläche des zukünftigen Schlosses. Erst wenn diese Arbeiten abgeschlossen sind, kann der U-Bahn-Tunnelbau beginnen. Die Grundsteinlegung für den Schlossbau soll nun im April 2012 erfolgen.
„Der Wiederaufbau des Berliner Schlosses kommt in großen Schritten voran“, verkündete Ramsauer mit sichtlichem Stolz. „Die Stiftung als Bauherrin hat von uns einen Zuwendungsbescheid über 21 Millionen Euro bekommen.“ Das bedeutet: Sämtliche Mittel für die Bauvorgänge für dieses Jahr sind gesichert. Das war bis vor kurzem noch nicht absehbar, vielmehr wurde mit Verzögerungen gerechnet. Noch 2010 hatte die Bundesregierung ein Sparpaket verfügt, was de facto den Stopp des Projekts bedeutete. Erst im Juli 2011 wurde die Verpflichtung von Bund und Ländern, den Wiederaufbau zu unterstützen, in einem siebenseitigen Vertragswerk unterstrichen.
Berlin hat für das Gesamtprojekt, das etwa eine halbe Milliarde Euro kosten wird (590 Millionen Euro sind vom Haushaltsausschuss des Bundestags bewilligt), 32 Millionen Euro zugesichert. Die Summe wird in mehreren Jahresraten an die Bauträger überwiesen. Noch 2011 stellte Berlin mit der jetzt erfolgten ersten Ratenzahlung zwölf Millionen Euro zur Verfügung. Im ersten Quartal 2013 folgen fünf Millionen. 2014 werden zehn Millionen und 2015 die restlichen fünf Millionen fließen. Dass die Finanzierung jetzt in Rekordzeit durchgepaukt worden ist, hat alle Experten verblüfft. Niemand hätte sich das so schnell vorstellen können, zumal bisher stark umstritten war, wer die Folgekosten für den Schlossaufbau auf einer 5000 Quadratmeter großen Fläche übernehmen sollte. Berlins Stadtregierung hatte Sorge, dass ihr der Löwenanteil der Finanzen zugeschoben werden würde. Nun steht fest, dass Berlin nicht in Zwangszahlungshaft genommen wird, sollte es beim Spendenfluss oder anderweitig hapern.
Bekanntlich steigen bei Großprojekten die laufenden Baukosten verlässlich. Berlin wird aber ausschließlich die Instandhaltung und Bewirtschaftung des Humboldtforums tragen. Das ist nur logisch, denn die Hauptstadt wird von dem Schloss, das bereits 2014 im Hochbau stehen wird, am meisten profitieren.
Quelle: Südkurier
