Kleine Schritte zum großen Bau
11.01.2012 - Berlin (MOZ) Der Wiederaufbau des Stadtschlosses in Mitte gilt als Jahrhundertprojekt. Doch er geht bisher nur in ganz kleinen Schritten voran. Seit gestern hängt das Friedrich-Wilhelmsche-Wappen an der Testfassade. Im Frühjahr sollen die ersten Arbeiten beginnen.
Es steht etwas einsam da, dieses erste Zeichen, dass das Humboldtforum kein Luftschloss mehr ist. An dem einzelnen Fassadenteil, das am Rand der großen Wiese eingerüstet empor ragt, prangt seit gestern das kurfürstliche Wappenschild aus Sandstein. Eigentlich war es schon kurz vor Weihnachten aus der Schlossbauhütte in Spandau eingetroffen. "Die Montage hat sich wetterbedingt verzögert", erklärt Bernhard Wolter.
Der Sprecher der Stiftung Berliner Schloss - Humboldtforum hat wie viele der Passanten einen Fotoapparat dabei. Das Gefühl, Zeuge einer Jahrhundert-Entwicklung zu werden, liegt in der Luft. Doch noch ist dort nur Gras, wo Walter Ulbricht 1950 die kriegsgeschädigte Hohenzollern-Residenz sprengen ließ.
Menschen eilen über die provisorischen Holzstege, um den Weg zwischen Lustgarten und Werderschen Markt abzukürzen. Aus der fünften Etage der ebenfalls provisorischen Humboldt-Box, die über die Baupläne informiert, haben Besucher einen umfassenden Blick auf das Noch-Loch mitten in der Stadt. Beim "Kurfürsten-Frühstück" kann man von der Café-Terrasse die kleinen gelben Bagger beobachten, wie sie die Reste der alten Kommandanturstube freilegen. Durch den historischen Keller der alten Schlosswache sollen später auch Besucher des Humboldtforums wandeln dürfen, erklärt Wolter.
"Archäologisches Fenster", nennen es die Planer. Dort, wo es entstehen soll, schützt derzeit ein großes Zelt die historischen Relikte. Dass dort überhaupt schon gebuddelt wird, ist den Bauarbeiten an der U-Bahn-Linie 5 geschuldet.
In der Erde unter der Schlosswiese liegt dagegen nur noch die zwei Meter dicke Betonwanne, die einst den Palast der Republik stützte. "Es wäre Quatsch, sie wieder herauszunehmen", sagt Wolter. Wegen des schlechten Baugrunds soll im Frühjahr noch zusätzlich Verdichtungsmasse in den Boden gepresst werden. "Sie müssen sich das wie einen großen Pudding vorstellen, bei dem schwere Gebäude ein Ungleichgewicht schaffen", erklärt der Architekt und Lehrer. Damit beim Schlossbau die Museumsinsel auf der anderen Straßenseite nicht ins Schwanken gerät, wurden schon während des Palast-Abrisses Erschütterungssensoren installiert. "Die sind sehr feinfühlig und würden bei Erschütterungen zum Baustopp führen", bleibt Charlotte Hopf aus dem Büro des Berliner Doms gelassen.
Doch erst einmal muss mit dem Bauen begonnen werden. Die Grundsteinlegung ist für das kommende Jahr geplant. 2014 soll dann mit den Hochbaumaßnahmen begonnen werden. Mitte 2019 könnte das Humboldtforum mit Kunst- und Ausstellungsräumen im neuen Schloss eröffnet werden. Auch wenn der Zeitplan nach wie vor vage ist - der Bau sei nicht mehr aufzuhalten, meint Wolter. "Jetzt stellt sich die Frage nicht mehr nach dem Ob, sondern nach dem Wie." In den veranschlagten 590 Millionen Euro, die im vergangenen Sommer von allen Parteien des Bundestages, außer den Linken, abgesegnet wurden, ist beispielsweise die Rekonstruktion der Kuppel nicht enthalten. So sammeln die Schlossfreunde fleißig Geld für die rund 3000 barockartigen Adler, Widderköpfe und Blättergirlanden.
Die Musterfassade direkt an der Straße soll nun die Vorfreude und Spendenbereitschaft der Berliner zugleich wecken. Sie ist aber auch ein Test, welche Materialien für den Schloss-Bau geeignet sind. Deswegen wurde sie auch nach Westen ausgerichtet. "So kommt die Sonne auf dem Sandstein am besten zur Geltung", sagt Wolter.
Der Wiederaufbau des Stadtschlosses in Mitte gilt als Jahrhundertprojekt. Doch er geht bisher nur in ganz kleinen Schritten voran. Seit gestern hängt das Friedrich-Wilhelmsche-Wappen an der Testfassade. Im Frühjahr sollen die ersten Arbeiten beginnen.
Es steht etwas einsam da, dieses erste Zeichen, dass das Humboldtforum kein Luftschloss mehr ist. An dem einzelnen Fassadenteil, das am Rand der großen Wiese eingerüstet empor ragt, prangt seit gestern das kurfürstliche Wappenschild aus Sandstein. Eigentlich war es schon kurz vor Weihnachten aus der Schlossbauhütte in Spandau eingetroffen. "Die Montage hat sich wetterbedingt verzögert", erklärt Bernhard Wolter.
Der Sprecher der Stiftung Berliner Schloss - Humboldtforum hat wie viele der Passanten einen Fotoapparat dabei. Das Gefühl, Zeuge einer Jahrhundert-Entwicklung zu werden, liegt in der Luft. Doch noch ist dort nur Gras, wo Walter Ulbricht 1950 die kriegsgeschädigte Hohenzollern-Residenz sprengen ließ.
Menschen eilen über die provisorischen Holzstege, um den Weg zwischen Lustgarten und Werderschen Markt abzukürzen. Aus der fünften Etage der ebenfalls provisorischen Humboldt-Box, die über die Baupläne informiert, haben Besucher einen umfassenden Blick auf das Noch-Loch mitten in der Stadt. Beim "Kurfürsten-Frühstück" kann man von der Café-Terrasse die kleinen gelben Bagger beobachten, wie sie die Reste der alten Kommandanturstube freilegen. Durch den historischen Keller der alten Schlosswache sollen später auch Besucher des Humboldtforums wandeln dürfen, erklärt Wolter.
"Archäologisches Fenster", nennen es die Planer. Dort, wo es entstehen soll, schützt derzeit ein großes Zelt die historischen Relikte. Dass dort überhaupt schon gebuddelt wird, ist den Bauarbeiten an der U-Bahn-Linie 5 geschuldet.
In der Erde unter der Schlosswiese liegt dagegen nur noch die zwei Meter dicke Betonwanne, die einst den Palast der Republik stützte. "Es wäre Quatsch, sie wieder herauszunehmen", sagt Wolter. Wegen des schlechten Baugrunds soll im Frühjahr noch zusätzlich Verdichtungsmasse in den Boden gepresst werden. "Sie müssen sich das wie einen großen Pudding vorstellen, bei dem schwere Gebäude ein Ungleichgewicht schaffen", erklärt der Architekt und Lehrer. Damit beim Schlossbau die Museumsinsel auf der anderen Straßenseite nicht ins Schwanken gerät, wurden schon während des Palast-Abrisses Erschütterungssensoren installiert. "Die sind sehr feinfühlig und würden bei Erschütterungen zum Baustopp führen", bleibt Charlotte Hopf aus dem Büro des Berliner Doms gelassen.
Doch erst einmal muss mit dem Bauen begonnen werden. Die Grundsteinlegung ist für das kommende Jahr geplant. 2014 soll dann mit den Hochbaumaßnahmen begonnen werden. Mitte 2019 könnte das Humboldtforum mit Kunst- und Ausstellungsräumen im neuen Schloss eröffnet werden. Auch wenn der Zeitplan nach wie vor vage ist - der Bau sei nicht mehr aufzuhalten, meint Wolter. "Jetzt stellt sich die Frage nicht mehr nach dem Ob, sondern nach dem Wie." In den veranschlagten 590 Millionen Euro, die im vergangenen Sommer von allen Parteien des Bundestages, außer den Linken, abgesegnet wurden, ist beispielsweise die Rekonstruktion der Kuppel nicht enthalten. So sammeln die Schlossfreunde fleißig Geld für die rund 3000 barockartigen Adler, Widderköpfe und Blättergirlanden.
Die Musterfassade direkt an der Straße soll nun die Vorfreude und Spendenbereitschaft der Berliner zugleich wecken. Sie ist aber auch ein Test, welche Materialien für den Schloss-Bau geeignet sind. Deswegen wurde sie auch nach Westen ausgerichtet. "So kommt die Sonne auf dem Sandstein am besten zur Geltung", sagt Wolter.