Die Königliche Schlossterrasse und weitere Gartenanlagen am Berliner Schloss

von Dr. Klaus-Henning von Krosigk (Stellv. Landeskonservator von Berlin a.D.)

 

Die langsam der Vollendung entgegen gehende Errichtung des Humboldt-Forums an der Stelle des nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissenen Berliner Schlosses gibt Veranlassung, sich einmal intensiv mit der Frage des Erscheinungsbildes, der Qualität und der gartenkulturellen Bedeutung der untrennbar mit dem Berliner Schloss verbundenen Gartenanlagen auseinanderzusetzen. Zunehmend begreift man, dass es bei der minutiösen Wiederherstellung der gewaltigen Kubatur des 1950 untergegangenen Schlosses und der wissenschaftlich und restauratorisch anspruchsvollen Rekonstruktion zumindest der West-, der Nord-. und der Südfassade auch darum gehen muss, wo man zukünftig in seinem Inneren bzw. außerhalb ein Stück der in Jahrhunderten gewachsenen spezifischen Wohn- und Gartengeschichte erleben kann.

Mehr als eine Generation im Berliner Landesdenkmalamt für Erforschung und Dokumentation der gartenkulturellen Geschichte Berlins und den gartendenkmalpflegerischen Umgang mit diesem besonders sensiblen Kulturerbe verantwortlich, bin ich gerne der Bitte der Gesellschaft Berliner Schloss nachgekommen, die Bedeutungsgeschichte nicht nur der berühmten, zum Lustgarten hin orientierten Lennéschen Schlossterrasse, sondern auch der anderen Gartenanlagen am Berliner Schloss nachzugehen und für die die Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins einen Fachbeitrag zu schreiben. In dieser hier nun vorliegenden Kurzfassung werden die wichtigsten Tendenzen und besonderen Schwerpunkten einer ja bis in das frühe 20. Jahrhundert anhaltenden fünfhundertjährigen gartenkulturellen Entwicklung skizziert.

Die Anfänge von Gärten am Berliner Schloss finden sich schon im 15. Jahrhundert, als Kurfürst Friedrich II., genannt Eisenzahn, das erste Schloss an der Spree errichtete und wir auch schon in dieser frühen Zeit davon ausgehen können, dass es zumindest einen Nutzgarten am Schloss gegeben hat, der den kurfürstlichen Hof mit Obst, Gemüse, Kräutern und Blumen versorgt hat. Im 16. Jahrhundert gibt es dann schon erste konkrete Hinweise auf einen eigentlichen Lustgarten, einen „Thier-und Lustgarten“, hatte doch Kurprinz Johann Georg auch einen kleinen Tiergarten. Zum Ende des 16. Jahrhunderts stellt dann der mit dem Aus- und Umbau des Schlosses beschäftigte Rochus zu Lynar den damals schon bekannten Gärtner Desiderius Corbinianus ein, der einen schönen Lustgarten „hinter dem Schloss“ angelegt hat, über dessen Aussehen wir jedoch nicht informiert sind. Sehr genau wissen wir jedoch, wie der Berliner Lustgarten in der Zeit Kurfürst Friedrich Wilhelms, des späteren Großen Kurfürsten, ausgesehen hat. Eine überlieferte Merian-Abbildung von 1652 macht deutlich, dass es sich hier um einen glanzvollen Garten gehandelt hat, der dann später in der Zeit des französisch geprägten Frühbarock weiter entwickelt wurde und noch zu Lebzeiten des Großen Kurfürsten eine Orangerie erhielt. Mit dem Tod des prachtliebenden Königs Friedrich I. sollte jedoch die damals schon zweihundertjährige Geschichte des Lustgartens ihr abruptes Ende finden, denn unter seinem Sohn, dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., wurde das Areal in einen Exerzierplatz verwandelt.

Die Schlossterrassen mit den Rossebändigern, um 1880. Fotograf: Hermann Rückwardt
Die Schlossterrassen mit den Rossebändigern, um 1880. Fotograf: Hermann Rückwardt

Erst im Zusammenhang mit dem 1828 nach Plänen Schinkels erfolgten Bau des Alten Museums kam es unter Friedrich Wilhelm III. zu einer Neuanlage des Lustgartens, weitgehend nach den Entwürfen Karl Friedrich Schinkels, eine Anlage die dann später unter Peter Joseph Lenné vollendet wurde. Lenné war es dann auch, der, allerdings schon unter Friedrich Wilhelm IV., gemeinsam mit dem Architekten Heinrich Strack den Auftrag zur Anlage und Gestaltung der gärtnerisch gestalteten Schlossterrasse erhielt und diese Aufgabe gartenkünstlerisch glanzvoll löste. Erst der Untergang des Schlosses besiegelte das Ende dieser wundervoll gestalteten Königlichen Schlossterrasse.

Zu den weiteren wichtigen, jedoch immer öffentlichen Anlagen am Berliner Schloss gehörte der große Schlossplatz vor der gewaltigen Südfassade des Schlosses, der dann im ausgehenden 19. Jahrhundert den von Begas gestalteten Neptunbrunnen bekam und unter dem Berliner Stadtgartendirektor Hermann Mächtig zu einem typischen kaiserzeitlichen Schmuckplatz mit gepflegten formalen Grünanlagen, wertvollem Mosaikpflaster und aufwendigen Kandelabern umgestaltet wurde. Hermann Mächtig war es dann auch, der um 1898 noch die schmale Schmuckanlage mit großem Teppichbeet an der Schlossfreiheit gestaltete.

Das Schlossgärtchen in kaiserlicher Zeit, um 1910. Quelle: Landesdenkmalamt Berlin
Das Schlossgärtchen in kaiserlicher Zeit, um 1910. Quelle: Landesdenkmalamt Berlin

Zu einem mehr privaten Rückzugsort der Hohenzollern sollte sich das kleine Spree- oder Schlossgärtchen, zur Spree hin gelegen, im Lauf der Geschichte entwickeln. Ein jüngst im Kunsthandel aufgetauchtes Bild aus dem 18. Jahrhundert vermittelt anschaulich, wie dieses Gärtchen schon zur Zeit Friedrichs des Großen ausgesehen hat, ein Gärtchen, das auch noch Kaiser Wilhelm II. sehr schätzte.

Mein Fazit der Beschäftigung mit den Gartenanlagen am Berliner Schloss lautet ohne Zweifel: Erst wenn die Königliche Gartenterrasse mit ihrem reichen und glänzend überlieferten sowie original belegten Skulpturenschmuck wiederhergestellt ist und der Schlossplatz seinen ebenfalls erhaltenen Neptunbrunnen und die beiden diesen Brunnen einst rahmenden Schmuckanlagen zurückerhält, wird das in angemessener Weise vollendet sein, was man zur Zeit mit unglaublichem Aufwand so minutiös und vielbeachtet rekonstruiert.

 

Vortrag am Donnerstag, den 20. Oktober 2016, um 19.00 Uhr im Rathaus Schöneberg.
Moderation: Dr. Guido Hinterkeuser