Das Berliner Schloss – mehr als nur Fassade

Vortrags- und Diskussionsreihe der Gesellschaft Berliner Schloss e.V.


Die Teilrekonstruktion des Berliner Schlosses schreitet mächtig voran und wird 2019 weitgehend abgeschlossen sein. Allerdings musste inzwischen die Eröffnung des Humboldt-Forums um ein Jahr in den Herbst 2020 verschoben werden. Schon jetzt ist der Beitrag der akribisch wiederhergestellten Barockfassaden zur Reparatur des historischen Stadtbildes unübersehbar. Außerdem ist mit dem sogenannten Schlüterhof eine der bedeutendsten Schöpfungen der europäischen Barockarchitektur wiedererstanden. Dagegen wird im Inneren des Humboldt-Forums fast nichts an die einstige Hohenzollernresidenz erinnern.

In ihrem Wirken und ihren Publikationen kritisiert die Gesellschaft Berliner Schloss e.V. seit Jahren, dass nicht einmal ansatzweise auch nur ein historischer Innenraum rekonstruiert wird und von den mehreren hundert Kunstwerken, die sich aus dem Berliner Schloss erhalten haben, nicht eines an seinen ursprünglichen Ort zurückkehren soll. Außerdem verweigern die derzeit aktuellen Planungen im Außenbereich die Anknüpfung an die gestalterisch überzeugende Vorkriegssituation. Immerhin lässt sich hier Bewegung erkennen, nachdem der Bund Mittel zur Rückführung des Neptunbrunnens bereitgestellt hat.

In ihrer 2016 begründeten Vortragsreihe „Das Berliner Schloss – mehr als nur Fassade“ diskutiert die Gesellschaft Berliner Schloss e.V. in loser Folge Themen, die das Berliner Schloss als historisches Ganzes in den Blick nehmen.


Der 8. Vortrag findet statt am:

Donnerstag, den 26. März 2020, um 19.00 Uhr
Rathaus Schöneberg, 1. OG, Kennedy-Saal


DR. JÖRG MEINER
(Leiter des Dezernats Forschung und Ausstellungen bei den Staatlichen Schlössern, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern):

„Kaiser Wilhelm II. als kunsthandwerklicher Schlachtenlenker – Die Neuausstattung des Berliner Schlosses mit luxuriösen Kunstmöbeln aus Berliner und Potsdamer Werkstätten“

 Moderation: Dr. Guido Hinterkeuser


Als Wilhelm II. 1888 den Thron bestieg, gehörte es zu seinen ersten Maßnahmen, den Wohnsitz des preußischen Königs und deutschen Kaisers zurück ins Berliner Schloss zu verlegen. Selbstbewusst richtete er sein Appartement in den ehemaligen Wohnräumen Friedrichs des Großen ein – eine klare geschichtspolitische Manifestation. Diese Wohnung sowie weitere Räume und Säle des Schlosses ließ der Kaiser im Laufe seiner Regierung prunkvoll erneuern und kostbar ausstatten. Vor allem mit einheimischem Luxuskunsthandwerk wollte Wilhelm II. der Welt vor Augen führen, dass das deutsche Kaiserreich mit der künstlerischen Hegemonialmacht Frankreich auf Augenhöhe agiert. Er begriff die kulturelle Aufholjagd des Kaiserreichs als Kampfgeschehen, in dem sich die deutschen Kunsthandwerker und ihre Förderer – nicht zuletzt er selbst – zu bewähren hatten. Dafür engagierte er sich vor allem auf den Weltausstellungen 1900 in Paris und 1904 in St. Louis mit Bestellungen von herausragenden Objekten, die später im Berliner Schloss aufgestellt wurden. Vieles davon geriet bald nach 1918 in Vergessenheit. Erst in den vergangenen Jahren gelang es, neues Licht in dieses einst so anspruchsvoll aufgeladene, dann aber verdunkelte Kapitel Berliner und preußischer Kunstgeschichte zu werfen.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen.